lustige Geschichten
Lustige Geschichten aus der tierärztlichen Praxis
Wie kommt das Rindvieh ins Bett?
Es ist eine Tatsache, dass Kühe den Tierarzt nicht lieben. Sie verbinden seine Visite im Stall grundsätzlich mit Unannehmlichkeiten und quittieren sie mit heftigen Defäkationen. Diese ausdrucksstarke, durch den Sympathikus geregelte Darmentleerung ist übrigens ein Anzeichen höchster Erregung. Die Therapeuten suchen jedoch in dieser Art der Begrüßung keine beleidigende Symbolik, sondern sehen das positiv: Die Ampulle muss vor der rektalen Untersuchung nicht mehr mühsam ausgeräumt werden.
Mit diesem Szenario wurde auch ich konfrontiert, als ich mit einer Impfung aller Tiere im Stall beginnen wollte. Die Begrüßung verlief bei allen fünf Kühen ähnlich; trotz meiner natürlich behutsamen Vorgehensweise war die Aufregung unverkennbar vorhanden. Alles ging trotzdem gut, bis zur letzten zu impfenden Kuh. Neben der üblichen Darmentleerung hatte sie aber noch etwas anderes im Programm: Mit gewaltigen, panischen Überreaktionen zog sie derart an der Kette, dass diese abriss. Das Tier war frei und flüchtete von seinem Platz.
Durch den Lärm und das Geschimpfe des Bauern, der hinter der Kuh herlief und diese von hinten dadurch noch vorantrieb, öffnete die beunruhigte Bäuerin die Dielentür. Sie sah das direkt auf sie zustürmende Tier und rettete sich mit einem Sprung zur Seite, denn es war zu spät, die Tür zuzusperren und die panische Kuh aufzuhalten. Die Kuh gelangte so in die Diele, wo sie nun in einer Sackgasse im Halbdunkel vor dem Bodenaufgang zum Stehen kam. Es sah ganz so aus, als ob sie sich beruhigt hätte.
Da sich die Situation entschärft hatte, verpasste ich ihr die volle Ladung des Impfstoßes. Die Kuh musste sich himmlisch gefühlt haben, weil sie nun plötzlich ganz zielstrebig auf die Treppe nach oben drängelte. Die Deckenhöhe bei alten Bauernhäusern ist sehr niedrig, so dass die Kuhlänge das ganze Treppenhaus ausfüllte.
Da stand sie nun auf der Treppe vor der geschlossenen Bodentür, eingeklemmt zwischen den engen Wänden. Der Bauer war verzweifelt, hatte jetzt aber ein neues Feindbild gefunden: Das waren die Behörden mit der Pflichtimpfungsvorschrift und damit natürlich auch ich. Als ich die Kuh von hinten genauer begutachten konnte, sah ich, dass sie sich zu allem Unglück auf eine Zitze getreten hatte. Das hat immer weitere Konsequenzen, weil das Melken unmöglich wird und eine Euterentzündung droht. Dies wollte ich dem Bauern lieber später schonend beibringen, nachdem er sich beruhigt hätte.
So viel war klar: Wenn die Kuh nicht von alleine rückwärts gehen würde, könnte sie keiner aus dieser Falle befreien. Also überließen wir die Kuh für eine Weile ihrem Schicksal. Als ich aber mit dem Bauern in der Stube saß, stellte ich mir vor, dass die Zitzen beim Rückwärtstreten wieder in Gefahr wären. Deshalb ging ich unter dem Vorwand, Pflaster holen zu wollen, zum Auto. Die Kuh war ziemlich ruhig und präsentierte sich von hinten so verführerisch, dass ich mich alleine an das Euter heranmachte, um die langen Zitzen mit der Euterhaut zu verkleben.
Aber als ich an der zerquetschten Zitze herumhantierte, war es der Kuh mit dieser Sado-Maso-Nummer zuviel und verpasste mir als Retourkutsche für diese Zärtlichkeiten einen Tritt voll ins Gesicht. Ich war KO und der Schlag ging voll auf die Lippe. Innerhalb von Sekunden war ich durch den Bluterguss entstellt. Als ich die Stube betrat, wurde der Bauer blass. Nach kurzer Wundpflege war ich aber wieder fit. Er fand übrigens die Idee mit dem Pflaster und den Zitzen völlig blöde. Da sich das Tier immer noch nicht von der Stelle rührte, musste nun gehandelt werden.
Ich hatte eine sehr kreative Idee: Wir schieben ein Brett unter die Kuh hindurch und betäuben sie dann. Wenn sie auf das Brett sackt, könnten wir sie von der Treppe ziehen wie einen Braten aus dem Ofen, ohne das Euter zu gefährden. Jetzt verstand der Bauer auch, wie wichtig das Pflaster war und verklebte sogar die letzte Zitze selbst mit dem Euter. Dabei erkannte er natürlich das Malheur. Hier konnte ich wieder bei ihm punkten, weil er erst jetzt die Gefahr für das Euter begriff.
Das Problem war, dass man das Brett von hinten wegen des großen Winkels durch die ansteigende Treppe nicht unter die Kuh schieben konnte. Also musste jemand über sie hinwegklettern und die Bodentür öffnen. Nur von dort konnte man das Brett unter sie schieben, solange sie noch stand. Inzwischen war schon das halbe Dorf beim Bauern versammelt. Wir wollten das Tier mit Gewalt und ohne Betäubung herunterziehen, wenn es sich vor Erschöpfung auf das Brett hinlegen würde. Es musste sich jetzt nur jemand finden, der über die Kuh klettern würde. Ungefährlich war das wirklich nicht, weil es damals noch Tiere gab, die nicht enthornt waren, und auch dieses Exemplar hatte noch ganz schön spitze Hörner. Da ich der Jüngste war, musste ich über die Kuh klettern.
Als ich die Tür zum Boden aufmachte, saß ich noch auf dem Rücken der Kuh, die dann natürlich neue Chancen witterte und sofort vorwärts stürmte. Es waren nur wenige Sekunden bis zum großen Desaster. Der Boden war nicht beleuchtet, so dass ich von meiner Umgebung nicht viel sehen konnte. Ich hörte nur die ruckartigen Erschütterungen der Treppen steigenden Kuh, dann ein gewaltiges Krachen und anschließend ein kurzes Fallen. Ich wusste, dass ich noch auf dem Boden war, die Kuh hatte aber die Decke durchbrochen und war nach unten gefallen. Als der Bauer dann das Licht anknipste, sah er fassungslos durch das Loch nach unten auf sein zerstörtes Schlafzimmer und die halb in den Trümmern der Betten stehende verbiestert dreinschauende Kuh. Ich konnte nichts sehen, weil meine Augen voller Sägespäne waren, die der Wärmeisolierung der Decke dienten.
Die Gaffer hatten gut lachen. Ich musste u. a. folgende Kommentare anhören: “Doktor, Sie sollten dies positiv sehen; Sie sind jetzt zwar blind, aber können dafür Ihre dicke Lippe nicht sehen.“ – „Sie sind ein Busengrabscher, und Frauen stehen nun mal nicht auf Pflaster, sondern eher auf Latex.“ – „Sie war nicht einmal neun Jahre alt, Sie Lüstling.“
Die Kuh stakste schon fast von allein aus dem Schlafzimmer und marschierte ohne Hektik in den Stall. Von wegen deutsche Wertarbeit: Das Bett hat nicht einmal ein paar Sekunden gehalten!
Leider erlitt die Kuh Serienbrüche im Dornfortsatzbereich. Eine schmerzhafte Angelegenheit, aber auch ohne Behandlung mit einer guten Prognose.
Wochenlang witzelte man noch darüber. „Doktor, Ihre Domina wollte mit Ihnen ins Finale und Sie kneifen in letzter Sekunde.“
Blut im Dekolleté
Eines Tages erhielt ich einen Anruf von einer Frau aus Süddeutschland. Sie fragte an, ob ich ihr Pferd untersuchen könnte. Sie selbst sei schwer an Rheuma erkrankt und hätte Asthma. Demnächst käme sie zur Kur nach Bad Bramstedt.
Wir verabredeten uns in dem Stall, wo sie ihr Pferd während ihrer vierwöchigen Kur unterbringen würde. Als ich das Tier untersuchte, stellte ich die Notwendigkeit für eine endoskopische Untersuchung der Lunge fest, die ich auch gleich durchführte.
Es hielt sich keiner außer uns beiden im Stall auf, deshalb musste sie mir assistieren. Sie sollte auf meine Anweisung hin das Endoskop immer tiefer in die Nase und die Trachea schieben. Da ich mich nur auf die Optik konzentrierte, konnte ich sie natürlich nicht genauer beobachten. Ich merkte aber, dass sie den Pferdekopf zu ihrer Seite hinzog. „Was machen Sie denn?“ fragte genervt und korrigierte mechanisch ihre Hand. Dabei spürte ich, dass Blut auf ihrer Hand war.
Ein kurzer Check der Lage: die übliche Epistaxis. Das ungebremste und nicht sedierte Pferd war unauffällig, also handelte es sich um die übliche durch das Endoskop verursachte Blutung.
Kein Problem, man konnte weitermachen. Aber die Frau war kreidebleich, atmete schwer und stand nicht mehr fest auf den Beinen. Ich sagte, sie solle das Pferdehalfter sowie das Endoskop loslassen und sich hinsetzen. Sie ließ zwar das Endoskop los, aber nicht das Halfter des Pferdes und schwankte immer stärker hin und her. Nun hatte ich das eine Ende des Stethoskops am Hals, das mit der schweren Lichtquelle verbunden war, und das blutende Pferd sowie die Frau, die ich mittlerweile mit beiden Händen festhalten musste, damit sie sich beim Fallen aufgrund des Kollapses nicht verletzen würde.
Derart gefesselt brüllte ich um Hilfe. Keiner kam, deshalb zog ich das Endoskop aus dem Pferd schnell heraus. Das Problem war, dass es in einer angewinkelten Stellung eingerastet war und beim Herausziehen die Nasenmuschel noch mehr verletzte. Die Blutung ging erst jetzt richtig los.
Nach Ablegen des Endoskops, musste ich mit der Frau, die sich mit der Hand krampfhaft am Halfter festhielt, und dem Pferd durch die Stallgasse gehen, um sie schließlich auf einen dort stehenden Armlehnstuhl absetzen zu können. Dort saß sie regungslos im Stuhl fixiert, hielt aber das blutende Pferd immer noch verkrampft fest.
Ich lief aus der Stallgasse nach draußen und brüllte um Hilfe. Zum Glück hörte mich die Mutter der Stallbesitzerin und eilte herbei. Als wir wieder bei der Dame ankamen, bot sich uns ein grausames Bild: Sie hielt das Pferd immer noch am Halfter fest, es stand ganz ruhig da, und blutete vor sich hin - direkt in den Schoß und in das Dekollete der Dame. Außerdem führte die Blutung in der Nase des Pferdes zu einer Reizung, was für das Tier ein Anlass zum Prusten war. Dementsprechend sahen die Frau und ihre Umgebung dann auch aus: Nicht nur ein Blut im Dekollete und im Schoss sowie ein Blut verschmiertes Gesicht, sondern auch noch Mengen von feinsten Blutstropfen waren in ihren Haaren, auf ihrer Kleidung und bedeckten rundherum die Wände und den Fußboden.
Die Oma stand da wie erschlagen von diesem Bild und stotterte „Was haben Sie bloß mit ihr gemacht?“ „Warum passiert immer nur mir so etwas?“ dachte ich, und sperrte das mittlerweile frei stehende Pferd in die Box. Die Oma kümmerte sich um die noch benebelte Dame und begriff die Situation gar nicht so richtig. Ich erklärte ihr, dass es das Blut des Pferdes und nicht das der Besitzerin sei. Auf die Gegenfrage der älteren Dame „Wieso ist sie dann ohnmächtig und nicht das Pferd?“ antwortete ich: „Weil sie eine Frau ist!“ Das war für die kollabierte Dame, die das offensichtlich gehört hatte, ein Wachmacher. Sie murmelte vor sich hin und wurde plötzlich voll ansprechbar. Ich stand mit der Oma leicht gebeugt vor ihr und fragte nach ihrem Befinden. Sie wollte wahrscheinlich gerade „Gut.“ sagen, sah aber überall das ganze Blut und fiel zum Glück wieder in Ohnmacht. Nun konnten wir sie wieder einigermaßen herrichten, bevor sie wieder zu sich kam. Die Geschichte ging für alle Beteiligten gut aus.
Aber die Angelegenheit hatte noch ein lustiges Nachspiel:
Ich sitze am selben Abend mit einigen Freuden im Restaurant und erzählte die Geschichte. Vom Lachen angelockt setzten sich sogar noch andere dazu. Plötzlich klopft mir jemand auf die Schulter. Es war besagte Pferdebesitzerin. Sie saß ausgerechnet in diesem Restaurant (in B. B. gibt es tatsächlich mehrere) am Nebentisch und hatte alles mit angehört. Anfangs fand sie das alles nicht so witzig, was natürlich alle noch mehr zum Sticheln veranlasste.
Welche Zufälle gibt es doch im Leben: Eine Person mit Asthma, die kein Blut sehen kann und ein Pferd besitzt, dass eine Krankheit hat, die eine Endoskopie erfordert, sitzt ausgerechnet zu der Zeit im Restaurant am Nebentisch, als wir dort waren.
Was für ein Loch!?
Der Kaiserschnitt bei einer Kuh wird am stehenden Tier mit Lokalanästhesie von der linken Flankenseite aus durchgeführt. Dabei wird keine Hilfe von Dritten benötigt; jedenfalls lehnen wir diese immer ab, und haben damit auch am wenigsten Komplikationen.
Mittendrin beim Kaiserschnitt befreite die Kuh ihren an das Bein angebundenen Schwanz und begann damit auf die OP-Wunde zu schlagen. Die Tochter des Bauers eilte mir zu Hilfe. Er selbst war mit Melken beschäftigt. Sie hielt den Schwanz von hinten fest, beobachtete aber interessiert, was ich da gerade machte. Nach einer Weile bemerkte ich aber ihr blasses Gesicht und fragte sie, ob alles in Ordnung wäre.
„Wieso?“ fragte sie, „ Na klar, ich habe schon viele Geburten erlebt, allerdings noch keinen Kaiserschnitt.“
Als ich das Kalb aus der Bauchhöhle hob, half mir ihr Vater kurz dabei und verschwand dann aber wieder zu seinen Kühen. Jetzt hing nur noch die Gebärmutter mit der daran haftenden Plazenta aus der mindestens 25 cm langen Wunde bis zum Boden herunter.
Das Mädchen starrte diese an, wurde kreidebleich, stand schwankend auf den Beinen und hielt sich am Schwanz der Kuh fest, um nicht umzukippen. Ich wollte ihr helfen und sie von der Kuh weg zur Seite geleiten. Als ich mit meinen blutverschmierten Händen auf sie zukam, gab ihr dies den Rest und sie kippte nach hinten um - direkt in den Mistgang. Dabei schlug sie mit dem Kopf derart auf den Betonsockel auf, dass ihr Kopf wie ein Ball vom Boden abprallte. Eine Schädelfraktur war bei einem solchen Aufprall sehr wahrscheinlich und der Ernst der Lage war mir klar. Ich ließ alle Instrumente fallen und die Kuh mit dem offenen Bauch stehen, um das bewusstlose Mädchen zu versorgen. Während ich um Hilfe rief, verabreichte ich ihr ein Atemanaleptikum und ein den Kreislauf stabilisierendes Mittel. Der hektische und aufgelöste Bauer wollte sich um die Benachrichtigung des Notarztes kümmern.
Inzwischen tauchte die Bäuerin auf. Auf den Anblick ihrer Tochter reagierte sie natürlich entsprechend mit Panik und Geschrei. Jetzt musste ich auch sie noch beruhigen. Wie fertig ich dabei war, können Sie sich sicher vorstellen.
Ich hatte ein Rind mit offenem Bauch, der dringend versorgt werden musste, eine Patientin in lebensbedrohlichem Zustand mit einem möglichen Schädeltrauma und eine therapiebedürftige Mutter. Als mir bewusst wurde, dass die Kuh wegen des Schmerzes mit ihrem Schwanz immer wieder heftig schlug und die Wunde dadurch aufs Neue kontaminierte, war die Aussichtslosigkeit der Situation spürbar. So schnell kann sich das Szenario im Leben ändern.
Zum Glück kam das Mädchen inzwischen zu sich, und es fanden sich noch weitere Menschen, die sich um das Mädchen bemühten. Es waren keine Anzeichen einer Gehirnerschütterung sichtbar, ihr Zustand stabilisierte sich, und sie war wieder einigermaßen ansprechbar. Der Arzt sollte jeden Moment eintreffen, und ich konnte mich wieder um die Kuh kümmern
Diese hatte in der Zwischenzeit die dreckige Schwanzspitze direkt in die offene Bauchhöhle geschlagen, die nun völlig kontaminiert war. Damit sie überhaupt eine Überlebenschance hatte, musste ich die Wunde erst mit Antiseptika auswaschen und anschließend die ganze Bauchhöhle mit einer Antibiose versorgen.
Mir fiel ein Stein vom Herzen, als endlich der Notarzt und die Sanitäter eintrafen. Aber als die beiden die Kuh mit dem offenen Bauch sahen, waren sie völlig schockiert. Sie konnten nicht begreifen, warum die Kuh dieses gewaltige Loch in der Bauchhöhle hatte und dabei noch still am Platz blieb, ohne einfach davon zu laufen. In ihren Augen war das Tierquälerei.
Ich fragte sie, ob sie sich nicht lieber um die Patientin kümmern wollten, denn das wäre auch ein spannender Fall. Das waren klare Worte.
Das Mädchen erholte sich zusehends, so dass ich mir ziemlich dumm vorkam, weil ich den Hubschrauber bestellt und offensichtlich selbst Panik verbreitet hatte.
Aber der Arzt und die Sanitäter kamen auf ihre Kosten. Während sie die Patientin versorgten, schauten sie immer wieder auf die Kuh und beobachteten mich. Bevor sie mit der Verletzten davongingen, wollten sie noch einmal in das Loch in der Kuh schauen. Sie rückten mit der Trage dicht an die Kuh heran und schauten fassungslos in die Tiefe. (Hier fehlten schließlich so etwa 50 kg, die Kalb, Plazenta und Fruchtwasser ausmachen. So viel Platz gibt es immer in der Bauchhöhle nach dem Kaiserschnitt.) Der Arzt war endgültig erschüttert, als er bemerkte, dass die Kuh sogar noch anfing zu fressen.
Auch diese Geschichte ging für alle Beteiligten gut aus. Das Mädchen war schon nach eine Woche wieder zuhause, und die Kuh erholte sich nach kurzen Komplikationen rasch.
Erstverschlimmerung
Mich rief eine völlig aufgelöste Schülerin an und erzählte mir folgende Geschichte: Sie war gerade auf einer Party in Hamburg bei einem Botschafter (ihr Vater war selbst einer) und hatte eine Frau, die sie gar nicht kannte, überredet, ihrem Königspudel aus irgendwelchen Gründen, die ich inzwischen wieder vergessen habe, Nux vomica zu geben. Auf jeden Fall reagierte der Hund eine Viertelstunde später darauf mit einer Querschnittlähmung. Sie wollte von mir jetzt ein Antidot wissen und eine Empfehlung, wie sie sich verhalten solle. Sie war fix und fertig, weil die Gäste wegen ihrer Behandlung entsetzt waren. Ein völlig gesunder und lebensfroher Hund wurde in wenigen Minuten zum Krüppel.
Die Besitzerin des Hundes war voller Panik und heulte im Hintergrund als die Schülerin mir die Geschichte erzählte. Ich war fasziniert: Wieder gab es einen Beweis dafür, das homöopathische Mittel wirken, zwar nicht so, wie wir uns das vorstellen - aber immerhin. Sie wollte ein Antidot von mir wissen. Ich hatte aber eine bessere Idee: nämlich abzuwarten, was weiter passieren würde. Davon wollten sie und die Besitzerin aber nichts wissen. Sie verlangte nach einem Mittel, das dieses Leiden beenden würde.
Daraufhin sprach ich mit der Besitzerin und konnte sie offensichtlich mit meinem Enthusiasmus anstecken. Sie weinte nicht mehr, sondern lachte und war nun natürlich gegen jegliche Antidotierung im Sinne der Wissenschaft. Der Hund lief wie eine Robbe, schleppte beide Hinterbeine hinter sich her, war aber sonst völlig unauffällig und hatte sogar mehr Freude als sonst, weil alle ihn ansprachen und sich mit ihm beschäftigten. Die Besitzerin war wirklich cool, denn sie stand unter dem Druck der anderen Gäste, die noch entsetzter darüber waren, dass sie mir nachgegeben hatte. Da ich bei Menschen und Kühen schon derartige Reaktionen nach Nux v. erlebt hatte, wusste ich, dass es sich dabei unter Umständen um Stunden handeln könnte, bis sich der Zustand ändern würde.
Als die Besitzerin des Pudels am nächsten Morgen erwachte, begrüßte er sie schon völlig gesund auch ohne jegliches Antidot.
Kindliche Logik
Die Schüler des Tierheilpraktiker-Studiums wollten schon immer die Geburt bei einer Kuh live sehen und miterleben. Anlässlich eines Seminars in Bad Bramstedt waren etliche auswärtige Schüler anwesend, von denen auch in der näheren Umgebung viele übernachteten Sie baten mich, sie zu einer Geburt mitzunehmen, selbst wenn diese nachts wäre. Als es dann eines Abends tatsächlich soweit war, konnte ich aber leider keinen erreichen. Daher beschloss ich, die Geburt aufzunehmen und den Schüler dann wenigstens den Film zu zeigen.
Da die Geburt in der Nachbarschaft war, nahm ich meinen damals vierjährigen Sohn mit, weil er die Kinder vom Bauer kannte. Es stellte sich heraus, dass es eine schwierige Geburt werden würde. Ich stellte deshalb die Kamera auf und ließ sie laufen. Mein Sohn fand das alles sehr aufregend. Er wollte ebenfalls zusehen und blieb im Stall. Ich gab ihm die Aufgabe, auf die Kamera aufzupassen, damit keiner sie umrennen könnte. Gleichzeitig war er auch aus der Schusslinie und hatte eine wichtige Aufgabe.
Es wurde eine sehr schwere Geburt mit komplizierter und kraftaufwändiger Reposition des Kalbes. Zum Teil zogen drei Männer. Allen standen Mühe und Anstrengung ins Gesicht geschrieben. Nach der Geburt packte ich die Kamera zusammen. Am nächsten Tag gab ich den Schülern das Band, damit sie es sich im Hotel anschauen konnten. Am nächsten Tag berichteten sie lachend über meinen Sohn, als ob er die Hauptperson bei der Geburt gewesen wäre. Das konnte ich irgendwie nicht nachvollziehen.
Fünf Jahre später änderten sich die Videoformate. Ich beauftragte einen Bekannten meine Videos auf das neue Format umzuspielen. Er rief mich an und sagte, dass er sich vor Lachen über meinen Sohn bei der Geburt gar nicht beruhigen könnte. Ich hatte keine Ahnung, wovon er sprach und schaute mir den Film gleich an. Als wir bei der Geburt endlich mit viel Kraft und Mühe das Kalb aus der Kuh geholt hatten, fragte mein Sohn, den ich offensichtlich gar nicht gehört hatte, ganz aufgeregt:“ Papa, Papa, wie konnte das Kalb in die Kuh reinkommen, wenn das alles da so eng ist?“ Erst jetzt verstand ich, warum die Schüler damals so gelacht hatten.
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