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Petition gegen Umsetzung der EU-Verordnung COM(2014) 558

Petition 61871 gegen die Umsetzung der EU-Verordnung COM(2014) 558 Foto: Marek, DollarPhotoClub Petition 61871 gegen die Umsetzung der EU-Verordnung COM(2014) 558

Neues EU-Arzneimittelrecht läuft seinem eigenen erklärten Ziel zuwider

Deutschlands Tierheilpraktiker-Verbände haben bei der Bundesregierung eine Petition gegen die geplante Änderung des EU-Arzneimittelrechts auf den Weg gebracht. Ziel ist, die Umsetzung der EU-Verordnung COM(2014) 558 zum Einsatz homöopathischer und naturheilkundlicher Arzneimittel für Tiere zu verhindern. Die Petition verfolgt damit ein wichtiges Anliegen.

Mit der geplanten Novelle des EU-Arzneimittelrechts soll u.a.

  • der Einsatz von Antibiotika bei Tieren reduziert,
  • Antibiotika-Resistenzen bei Mensch und Tier entgegengewirkt und
  • die Einführung einer Pharmakovigilanz für Tierarzneimittel realisiert werden.

Paradoxerweise machen es jedoch einzelne Passagen des Verordnungsentwurfs unmöglich, dieses Ziel zu erreichen. Denn es sollen auch Stoffe, die lediglich der Vorbeugung von Krankheiten oder der Gesunderhaltung von Tieren dienen, dem Arzneimittelrecht unterworfen werden. Gesundheitsprodukte, Futter und Pflegemittel, die einfach nur der Gesunderhaltung eines Tieres dienen, müssten sich Tierhalter dann vom Tierarzt verschreiben lassen – wenn sie überhaupt noch am Markt erhältlich wären. Gleiches würde für bislang freiverkäufliche Arzneimittel wie beispielsweise Homöopathika oder Phytotherapeutika gelten (ausführliches dazu lesen Sie in unserem Interview zum Verordnungsentwurf).

Umsetzung der COM(2014) 558: Bedeutung für Tierheilpraktiker

Viele Tierheilpraktiker befürchten einen Verlust ihrer beruflichen Existenz, falls der Verordnungsentwurf in seiner aktuellen Fassung verabschiedet würde. Diese Befürchtung findet sich auch im Petitionstext der Tierheilpraktiker-Verbände wieder. ATM-Gründer und -Leiter Andre Grafe sieht das anders. „Ich persönlich halte diese Befürchtung für nicht gerechtfertigt“, so der Tierarzt und Naturheilkundler. „Die COM(2014) 558 tangiert nur einen Teil des Arbeitsfeldes von Tierheilpraktikern. Gerade der Tierheilpraktiker zeichnet sich dadurch aus, dass er aus einer Vielzahl unterschiedlichster Methoden und Therapien schöpfen kann und eben nicht darauf beschränkt ist, Krankheiten mit ‚Mitteln‘ zu behandeln.“ So existierten Dutzende Naturheilverfahren, die nicht auf Arzneimitteltherapie beruhen.

„Hinzu kommt, dass die Bundesregierung selbst bereits signalisiert hat, dass die therapeutische Vielfalt im Bereich der Tierheilkunde auch nach der Überarbeitung des EU-Tierarzneimittelrechts erhalten bleiben soll“, betont Andre Grafe und verweist auf eine entsprechende Meldung vom November 2015. Darin weist die Bundesregierung auch darauf hin, dass sich die künftige EU-Verordnung wegen unterschiedlicher Auffassungen seitens der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission vom jetzigen Entwurf unterscheiden werde:

"Die therapeutische Vielfalt im Bereich der Tierheilkunde soll auch nach der Überarbeitung des EU-Tierarzneimittelrechts erhalten bleiben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu den Auswirkungen der Tierarzneimittel-Verordnung der Europäischen Union auf die alternative Tiermedizin hervor. Die Linksfraktion hatte eine Verschlechterung der Verfügbarkeit von Tierarzneimitteln infolge der Novellierung für die komplementär-alternative Medizin (CAM) befürchtet. Dazu heißt es in der Antwort weiter, dass Tierheilpraktiker weiterhin im Rahmen der derzeit rechtlichen Möglichkeiten ihren Beruf ausüben können sollen. Die Bundesregierung ergänzt in der Antwort jedoch, dass die Verwendung von Einzelfuttermitteln und Futtermittelzusatzstoffen zu therapeutischen Zwecken oder die Umwidmung von Futtermittelzusatzstoffen wie Vitamine, Spurenelemente oder Aromastoffe zu Medikamenten ausgeschlossen bleiben soll. Eine klare Trennung der Rechtsbereiche im Tierarzneimittelrecht und im Futtermittelrecht sei von wesentlicher Bedeutung. Aufgrund von unterschiedlichen Auffassungen seitens der Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission geht die Bundesregierung allerdings davon aus, dass sich die künftige EU-Verordnung vom jetzigen Entwurf noch unterscheiden werde." Quelle

Petition 61871 gegen die COM(2014) 558

„Die Petition der Tierheilpraktiker-Verbände verfolgt ein wichtiges Ziel, dennoch sollte sich jeder Mitzeichner eines bewusst machen“, so Andre Grafe. „Es geht hier nicht um den Erhalt des Tierheilpraktiker-Berufs, denn dieser ist in keinster Weise in Gefahr. Es geht einzig und allein um den Tier- und Menschenschutz und darum, die Methodenvielfalt in der Tierhaltung, Tier-Gesunderhaltung und Tierheilkunde zu erhalten. Wenn Sie die Petition mitzeichen, dann zeichnen Sie sie nicht aus der Angst heraus mit, vielleicht Ihren Job zu verlieren. Das werden Sie nicht, wenn Sie in Ihrem Beruf wirklich gut sind und eben nicht nur mit ‚Mitteln‘ um sich werfen. Zeichnen Sie die Petition im Bewusstsein dessen, um was es wirklich geht: Um den Erhalt sämtlicher Methoden und Möglichkeiten, die dazu beitragen, den Einsatz von Antibiotika mit allen damit verbundenen ‚Nebenerscheinungen‘ auf das Nötigste zu begrenzen. Was Tiere gesund hält, ist das, was ihr Leben und Wohlbefinden ausmacht. Und das sind weder der Tierarzt noch die Pharmazie.“

Link zur Petition 61871

ATM Akademie

Die ATM vermittelt ein solides Basiswissen in der klassischen Schulmedizin, eine Voraussetzung für jeden Gesundheitsberuf. Die Referenten sind Hochschuldozenten, Fachtierärzte und Humanmediziner mit erheblicher Praxiserfahrung, Tierpsychologen, Biologen und Apotheker. Erfahrene Heilpraktiker sowie anerkannte Experten aus dem Bereich der Naturheilkunde führen die Praktika im Schulungszentrum Bad Bramstedt durch.

Webseite: www.atm.de

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