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Arnica: Ein Pflanzenporträt

Arnica: Ein Pflanzenporträt franznikon Arnica: Ein Pflanzenporträt

 

Arnica: Ein Pflanzenporträt

Über den Einsatz von Arnica montana – Bergwohlverleih als Globuli, Droge, Tinktur und Salbe. Was wirkt wann, wie und warum!

Als Kind verbrachte ich mit meinen Eltern viele Male unseren Urlaub in den Bergen. Wir haben oft Blumen gepflückt – ob wohl auch eine Arnicablüte darunter war? Sollte ich irgendwann wieder in die Berge fahren – als Erwachsene bevorzuge ich das Meer – so wird es mir nicht schwerfallen, auf die hübsche, leuchtend gelborange Blüte mit ihrem herb-aromatischen Duft und den seltsam struppigen Blüten Acht zu geben. In ihrer Blütezeit von Juni bis August verwandelt die Arnika die Almen in duftende, dottergelbe Prachtwiesen.

Wegen ihres Vorkommens in Bergregionen wird sie volkstümlich auch “Bergwohlverleih” oder “Bergwurz” genannt. Ihr Ruf als Heilpflanze bei Verletzungen deuten die Namen „Fallkraut“ oder „Wundkraut“ an. Sie gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae).

 

Die Arnika-Blüte wirkt immer ein wenig zerzaust.

Das Wissen um die Heilkraft der Arnica montana, meist nur Arnica genannt, nutzte bereits Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Samuel Hahnemann (1755 – 1843) zeichnete fast 600 Symptome in seinen Arzneimittelprüfungen auf. In den Bergregionen gehört die Arnica zu den altüberlieferten Heilkräutern und wird dort in der Volksheilkunde seit Jahrhunderten genutzt. Heute weiß man, dass Arnica kein Wundermittel ist, aber tatsächlich als vermögende Heilpflanze eine entzündungshemmende Wirkung hat.

Und wer hätte das gedacht? Eine Einreibung mit Arnica wirkt bei einer Arthritis des Knies genausogut wie Schmerzmittel mit herkömmlichen Wirkstoffen. Dies haben vor wenigen Jahren Mediziner herausgefunden. Die moderne Medizin hat sogar festgestellt, wie die Inhaltsstoffe der Arnika diese Wirkung auf molekularer Ebene ausüben – wobei man festgestellt hat, dass nur der Gesamtextrakt der Pflanze die optimale heilende Wirkung bei Schwellungen, Verstauchungen und Prellungen, ja sogar bei rheumatischen Beschwerden entfaltet (Prof. Dr. Irmgard Merfort / Institut für Pharmazeutische Biologie an der Universität Freiburg).

Arnica war 1986 „Blume des Jahres“ und die Würzburger Universität (Studienkreis am Institut für Geschichte der Medizin) erklärte Arnika zur “Arzneipflanze des Jahres 2001“, um damit ihre große Bedeutung als Heilpflanze in der Medizin zu würdigen.

Doch die heilenden – und von manch abergläubischen Zeitgenossen erhofften magischen – Kräfte dieser bis zu 60 Zentimeter hohen Pflanze dürften heute niemanden mehr dazu verleiten, sie zu pflücken: Sie ist gefährdet und steht daher unter Naturschutz. Wir müssen dennoch kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir sie in der Tierheilkunde nutzen: Sie wird dazu inzwischen erfolgreich landwirtschaftlich angebaut.

Inhalsstoffe / Pharmakologie

Arnica wirkt u.a. antiphlogistisch, antimikrobiell, wundheilungsfördernd, durchblutungsfördernd, hautreizend und besitzt eine Herz-Kreislauf-Wirkung (positiv-inotrope Wirkung = die Schlagkraft des Herzens stärkend und gefäßerweiternd). Welche Inhaltstoffe sind für diese Wirkungen verantworlich?

Arnikablüten enthalten an wirksamen Bestandteilen u.a.

- ätherisches Öl, Flavonoide, Sesquiterpenlactone, insbesondere,
- Helenalin (Pflanzen im mitteleuropäischen Gebieten enthalten,
- mehr Helenaline, im spanischen Raum dominieren Dihydrohelenaline), Phenolcarbonsäuren und Cumarine;
- das ätherische Öl enthält Thymol, welches sich durch eine stark desinfizierende, fungizide und bakterizide Wirkung auszeichnet.

Strukturformel Helenalin

Den enthaltenen Flavonoiden werden vielfältige Eigenschaften nachgesagt, so wirken sie u.a. antiphlogistisch, also abschwellend, und spasmolytisch, d.h. krampflösend. Ihre Wirkung wird hauptsächlich auf ihre antioxidativen Eigenschaften sowie die Hemmung von Enzymen zurückgeführt.

Zu den Phenolcarbonsäuren gehört neben vielen anderen auch die Salicylsäure, ein Entzündungshemmer. Cumarine wirken gerinnungshemmend (Rattengift enthält beispielsweise Cumarin).

Die Hauptwirkung dürfte aber von den enthaltenen Sesquiterpenlactonen ausgehen, die bereits in geringer Dosis ödemhemmende Wirkung haben.

Sie wirken antibakteriell und antiarthritisch und können zudem eine Entzündungsreaktion verringern. Während nicht gesichert ist, wie Sesquiterpenlaktone grundsätzlich ihre antiphlogistische Wirkung entfalten, ist bei Helenalin nachgewiesen, dass es selektiv den Transkriptionsfaktor NF-κB hemmt, der eine Rolle in der Steuerung der Immunabwehr spielt.

Toxikologie

Bei innerlicher Anwendung sind toxische Wirkungen der Sesquiterpenlaktone zu erwarten: Gastroenteritis (Magen-Darm-Entzündung), Tachykardie (Herzrasen), Beschleunigung der Atmung, Vermehrung der Schleim-, Schweiß- und Harnabsonderungen, starke Blutdrucksenkungen und in Extremfällen Stillstand von Atem, Kreislauf und Herz. Die Leitfähigkeit der Spinalreflexe wird vermindert (z.B. Patellarsehnenreflex).

Auszüge und Tinkturen sollten deshalb nicht innerlich angewendet werden. In Modellversuchen an der Maus führte eine zu hohe Dosis Helenalin zum Herzstillstand.

Unverdünnte Tinktur bewirkt eine Rötung der Haut und Schleimhäute mit Blasenbildung und starken Reizerscheinungen.

Nun aber doch zum eigentlich Interessanten: Den Nutzungsmöglichkeiten der Arnica in der Tierheilkunde – „als Globuli, Droge, Tinktur oder Salbe“.

HOMÖOPATHIE

Grundsätzlich sei erklärt, dass in der Homöopathie ein Arzneimittelbild eine Sammlung der Symptome ist, die eine Arznei bei einem Gesunden bei längerer Einnahme bzw. besonderer Empfindlichkeit hervorrufen kann. Die Ähnlichkeitsregel (Simile-Prinzip) der Homöopathie besagt, dass eine Arznei ein ähnliches Leiden erregen kann wie das, welches es heilen soll.

Dabei gibt es in der Praxis neben der klassischen Homöopathie (Repertorisierung und Studium der Materia mediacae im ganzheitlichen Sinn) die sogenannten bewährten Indikationen (organotroper Einsatz aufgrund der Symptome eines spezifischen Organsystems).

Für die homöopathische Zubereitung der Arnica nutzte Hahnemann die Tinktur der frischen Wurzel, heute wird der vorsichtig getrocknete und pulverisierte Wurzelstock verarbeitet.

Bewährte Indikationen

Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die Arnica wie folgt:

„Hier ist die Pflanze der raschen Heilung. Sei Dir von außen gewaltsam Schaden getan, Stoß, Hieb - in ihr ist wunderbare Hilfe nahe. Die Lebenskräfte strömen, der Puls kräftigt, das Herz ermutigt sich; was als blutiger Erguß, als Blutgeschwulst sich verlor, besinnt sich auf die richtige Bahn, Muskeln und Sehnen straffen sich, die Gestalt, verletzt und beschädigt, stellt sich wieder her. Die organische Empörung über den erlittenen Schaden, die wir Schmerz heißen, lindert sich, verebbt…“

Kommen wir noch einmal auf die Berge zurück:

Arnica wächst dort, wo Bergwanderer ins Straucheln geraten und sich in der Folge blaue Flecken, Prellungen, Verstauchungen und Zerrungen zuziehen. Stellen wir uns diesen Sturz einmal vor: Der Untergrund ist felsig, der Berwanderer hat sich Prellungen zugezogen, er ist wohlmöglich umgeknickt und hat sich dabei den Knöchel verstaucht. Alles tut ihm weh, er bleibt einfach liegen. Langsam stellt er fest, dass er sich durchaus noch bewegen kann, die Knochen sind alle heil geblieben. Aber der Schmerz der Prellungen und der Verstauchung nimmt nun überhand. Das Gelenk schwillt an. Er kann seine Verletzungen noch nicht genau einschätzen und dann meldet sich auch noch der Kreislauf. Ihm ist schwindelig, das Herz rast, der Kopf brummt. Er fühlt sich buchstäblich zerschlagen, hat Angst ohnmächtig zu werden.

 

Unangenehm, oder?

So könnte es auch einem verunfallten Tier gehen – und das ist der typische Arnicazustand!

Dann wissen wir nun auch um die Anwendungsgebiete der Arnica als bewährte Indikationen:

- Unfälle mit stumpfen Gewebetraumata aller Arten
- Quetschungen
- Prellungen mit Blutergüssen
- Zerrungen
- Blutungen, die traumatisch bedingt sind (z.B. Hämatome)
- Muskelkater, Muskelzerrung (als Musekltonikum)
- Lahmheiten (z.B. vertreten beim Toben, am Hindernis angeschlagen)
- Gehirnerschütterungen
- Folgen von Überanstrengung.

Obwohl sich der Patient so schlecht fühlt, scheint er zu vermitteln, dass alles in Ordnung ist (so wächst Arnica auf Kahlschlaghängen, als wäre nichts gewesen). Warum?

Er will auf keinen Fall berührt werden! Dadurch könnten die Schmerzen noch schlimmer werden. Wenn man ihn aber doch berührt, dann kann er aggressiv werden, auch wenn das normalerweise gar nicht in seinem Naturell liegt. Das Tier wälzt sich oft unruhig hin und her, da ihm jeglicher Druck des Lagers unangenehm ist, obwohl der ganze Körper schmerzt.

Wird nun ein Globulus Arnica verabreicht, dann tritt fast augenblicklich Entspannung ein. Der Schmerz geht auf ein erträgliches Maß zurück, das Brummen im Kopf läßt nach und der Kreislauf normalisiert sich. Es tut alles weh, aber es ist auszuhalten.

Nach der Gabe von Arnica ist diese Entspannung des Patienten ein deutlicher Hinweis für die richtige Mittelgabe. Das ist wichtig, wenn vielleicht zu wenig Symptome auf Arnica deuten, man aber doch einen „Versuch“ wagt.

Bei Unfällen sollte vor der Gabe ausgeschlossen werden, dass starke innere Blutungen vorhanden sind!

Die Potenz der Mittelgabe ist natürlich zunächst abhängig vom jeweiligen Behandler und dessen Ausbildung, Grundlagen und Erfahrungen, auf die er seine Behandlung stützt. Grundsätzlich kann man festhalten, dass die angemessene Gabe abhängig ist von der Schwere der Verletzung.

Nach Aussage der langjährig erfahrenen Tierhomöopathin Christiane P. Krüger wirkt Arnica aber „am überzeugensten bei stumpfen Verletzungen von Weichteilen oft erst in Höchstpotenzen (XM)“.

Eine Gabe wird in allen Potenzen nur dann wiederholt, wenn die erste Gabe ausgewirkt hat und eine weitere Unterstützung aber noch angezeigt ist (unter dem Mittel gebesserte Symptome verschlechtern sich erneut). Grundsätzlich kann eine niedrige D-Potenz (D4 oder D6, phytotherapeutisch wirksam) öfter gegeben werden als eine Höchstpotenz wie die XM. Q-Potenzen werden bis zu mehrmals täglich verabreicht, das hat aber mit ihrer besonderen Wirkweise zu tun.

Wenn keine Wirkung eintritt, so muss über einen Mittelwechsel nachgedacht werden. Die ausführliche Beschäftigung mit dem Thema rund um die Potenzen würde an dieser Stelle aber den Rahmen sprengen.

Wirkung

Wie verleiht Arnica -Bergwohlverleih- dem Patienten nun so viel Wohl am Berg? Und natürlich auch bei anderen Situationen, wo Verletzungen und Schocks durch schwere Stürze, Aufprall, Schläge oder Erschütterung verursacht wurden?

Bis ins letzte Detail ist die Wirkung von Arnica noch nicht erforscht. Aber Arnica hat eine ausgeprägte Wirkung auf das Blut und die Blutgefäße und beeinflußt das venöse System. Die Kapillaren werden weitgestellt und damit durchlässiger, das Gewebe regeneriert sich besser. Weniger Schwellungen entstehen, bestehende Schwellungen werden besser abgebaut. Das Infektionsrisiko im verletzten Gewebe wird gemindert. Auch die Kreislaufproblematik wird gedämpft. Eine Restitutio ad integrum (die vollständige Ausheilung), wie Goethe sie beschreibt, wird ermöglicht.

Dem Ruf der Arnica als „DEM Mittel“ nach Operationen sollte allerdings nicht blind gefolgt werden! Bei chirurgischen Eingriffen, bei denen ein Gewebetrauma mit dem berühmten Zerschlagenheitsschmerz im Vordergrund steht (z.B. Weichteiloperationen oder Osteosynthesen), ist es DAS Mittel. Eine ganze Anzahl anderer Mittel leisten weitaus bessere Dienste je nach Auslöser und Beschwerden: Bryonia, Calendula, Hypericum, Bellis perennis, Staphisagria u.a.

Arnica sollte vor Operationen nicht verabreicht werden, es kann zu Kapillarblutungen an der Operationsstelle kommen, die nur schwer zu stillen sind. Die Gabe des Mittels direkt nach dem Unfall (ohne starke innere Blutungen) und eine anschließende Operation einige Stunden später ist unproblematisch. Die Gabe als D30 nach der Operation verhindert Schwellungen (placebokontrollierte Doppelblindstudie 1995-99 am Klinikum Kulmbach – siehe auch Quellenangabe).

Klassische Homöopathie

Man muss feststellen, dass die immer wieder pauschale Darstellung der Arnica als „Hauptmittel für Verletzungen“ (bewährte Indikationen) dieser Heilpflanze ganz und gar nicht gerecht wird.

Wie bereits Eingangs erwähnt, zeichnete Samuel Hahnemann in seiner 3. Auflage der “Reinen Arzneimittellehre”, die auch heute noch erhältlich ist, 592 Symptome von Arnica auf. Bis heute sind durch spätere Prüfungen und durch die klinische Erfahrung noch viel mehr Symptome bekannt. Die folgende Darstellung soll einen Überblick über die Vielfalt der Arnica und ihre Arzneimittelprüfungen geben und deutlich machen, dass Arnica neben den bewährten Indikationen natürlich auch immer dann zum Einsatz kommt, wenn es nach der Repertorisierung und dem Studium der Materia Medicae angezeigt und somit das Simillium ist.

Zentrales Thema

Wie bereits beschrieben, ist Arnica bei allen Verletzungen indiziert, die „Folgen von stumpfer Gewalteinwirkung mit Quetschungen und Zerschlagenheitsgefühl“ sind.

Auch wenn das gleiche Gefühl durch einen anderen Auslöser zustande kommt, z.B. durch Überbeanspruchung eines Organes, durch irgendeine andere Art von Anstrengung (auch geistige Anstrengung) oder durch eine akute Krankheit, kann die Verschreibung von Arnica erfolgreich sein.

Erscheinungsbild des Patienten

Unmittelbar nach heftigem Trauma: Patient befindet sich im Schock, schreit, hat Todesangst, windet sich vor Schmerzen
Einige Stunden altes Trauma: Zerschlagenheitsgefühl, Berührung wird nicht ertragen, jede Bewegung wird vermieden, der Patient kann nicht still liegen „jede Unterlage erscheint zu hart“, der Patient ist erschöpft, Reizbarkeit, Abneigung gegen Gesellschaft

Leitsymptome

- akute Zustände
stumpfe Traumen, Prellungen, Stürze wie Stöße, Quetschungen (auch nach Operation), Prellungen, Schläge, Unfälle (Stürze, Verkehrsunfälle), Druckstellen (Sattel-, Geschirrdruck o.ä.), körperliche Anstrengungen, Hirnerschütterungen, Hämatome (auch Hirnblutungen), Nasenbluten nach Verletzung der Nase, Beschwerden nach Zahnverletzungen, extrahierten Zähnen, Biß- oder Schlagverletzungen durch Tiere, Muskelquetschungen, Schwergeburten mit Quetschungen im Beckenbereich, Bauchverletzungen während der Trächtigkeit, beim Rind auch Euterverletzungen durch Hornstoß, Quetschungen und Prellungen der Hufe und Klauen und Ballen

- subakute bis chronische Zustände
(Folgen von Überanstrengung, Steifheit, die man nicht genau lokalisieren kann, Bewegung bessert nicht) wie Nasenbluten nach Überanstrengung, übermäßiges am Fahrrad laufen des jungen Hundes, unsachgemäßes Anreiten junger Pferde, übermäßige Belastung untrainierter Tiere, Schwäche nach Überanstrengung, Wundinfektionen nach Verletzungen (beginnende Phlegmone beim Pferd, Hufabszess nach Quetschung der Huflederhaut)

- chronische Zustände
(chronische Folgen einer Verletzung (physisch wie psychisch)) wie Beschwerden seit einer Kopfverletzung: Blindheit, Schwindel, Meningitis, Taubheit, Schwerhörigkeit; Ruhelosigkeit nach Verletzungen, Angst / Todesangst, die nach Verletzung bestehen bleibt

Einige ausgewählte Leitsymptome nochmals im Kopf zu Fuß-Schema:

Allgemeinsymptome

- Folgen frischer oder alter Traumata in allen Variationen
- blaue Flecken auch bei leichten Stößen
- Vorbeugemittel vor Entzündungen durch Operationen und Zahnextraktionen
- Influenza mit Zerschlagenheitsgefühl
- nützlich bei postoperativen Zuständen, sowohl zur Linderung der Schmerzen als auch zur Beschleunigung der Heilung
- allgemeine Verschlimmerung durch Anstrengung
- faulig-eitriger Geruch „wie nach faulen Eiern“

Gesicht / Kopf

- eingefallen
- Gehirnerschütterung

Nase

- häufiges Nasenbluten (durch Husten)
- geblähte Nüstern
- Schnupfen

Auge

- Verlust des Sehvermögens nach Trauma
- blaues Auge durch Verletzung
- blutunterlaufen
- eingefallen

Mund

- trocken, durstig
- schlechter Mundgeruch

Ohren

- Schwerhörigkeit durch Verletzung

Hals

- Heiserkeit durch übermäßigen Gebrauch der Stimme

Herz

- Überanstrengung des Herzen durch heftiges Rennen
- Herzklopfen nach Anstrengung, Schock, Trauma
- Angina pectoris

Atmungsorgane

- Husten (im Schlaf, ohne Erwachen)
- kurze keuchende Atmung
- Asthma
- Pneumothorax durch äußere Verletzungen
- Auswurf übelriechend, schwarzes zähes Blut, schaumiges Blut, gemischt mit Schleim

Verdauungsorgane

- Kolik
- Gastritis
- Auftreibung des Abdomens
- fauliger Kot, übelriechend, braun, blutig
- unwillkürlicher Durchfall (im Schlaf)
- Plätschern im Abdomen wie Wasser

Bewegungsapparat

- schmerzende Gelenke, Muskeln – wie zerschlagen
- schmerzende Muskeln bei Influenza
- Arthritis
- akute Verstauchungen
- Quetschungen
- Myalgien durch Überanstrengung

Haut

- Hämatome durch Verletzung
- schwarze und blaue Flecken
- symmetrische Ausbreitung von Ausschlägen
- sehr berührungsempfindlich
- Gruppen schmerzhafter Furunkel
- Blutungsneigung durch Gefäßinstabilität >

Schlaf

- schlaflos und unruhig bei Übermüdung
- Alpträume

Temperatur

- Schaudern über den ganzen Körper
- Fieber bei Influenza

weiblich

- erträgt Bewegungen des Fötus nicht
- Wehenschmerzen schwach oder nachlassend
- ausgezeichnetes Mittel bei der Geburt (lindert Wundheits- und Zerschlagenheitsgefühl der Gebärmutter, beschleunigt die Erweiterung des Muttermundes und lindert Wundschmerz nach der Geburt)

männlich

- Schwellung von Penis und Skrotum, bläulich-rot
- heiße Schwellung des Skrotums nach Verletzung

Modalitäten

schlechter durch
- Bewegung
- Berührung
- Erschütterung
- Anstrengung

besser durch
- Liegen (mit niederigem Kopf)
- in Ruhe

Causa

- Unfälle, Stürze, und Traumata und deren Folgeerkrankungen

DROGE

Für die Droge finden die aus dem Hüllkelch und Blütenboden befreiten Blätter oder die ganzen Blütenkörbchen Verwendung, frisch oder getrocknet. Die Droge kann in der Apotheke und sonstigen Unternehmen, die mit pflanzlichen Rohstoffen handeln (z.B. Alfred Galke GmbH), bezogen werden.

 

Ein eigener Anbau der Pflanze ist eher schwierig. Sie ist erhältlich als Samen oder Staudenpflanze und bevorzugt eine sonnige Lage mit mäßig feuchten Boden und freien Flächen. Sie kann gegebenenfalls auch an Hecken oder Gehölzrändern gepflanzt werden.

Achtung: Auf die Pferdewiese gehört die Arnica nicht, da sie Herzrhythmusstörungen bis hin zu Kresilauflähmungen verursachen kann!

An luftiger, schattiger Stelle getrocknet, zerkleinert, nochmals nachgetrocknet, kann die Arnica in einer undurchsichtigen Papiertüte oder einen dunklen Glasbehälter etwa ein Jahr aufbewahrt werden. Die Droge darf nur zur äußerlichen Anwendung genutzt werden (z.B. als mit Wasser verdünnte Tinktur, Aufguss o.ä.).

TINKTUR

Eine Tinktur kann aus der frischen oder aber gtrockneten Droge hergestellt werden. Die Tinktur kann problemlos in der Apoheke bezogen werden. Um sie selbst herzustellen werden etwa 20g Arnikablüten mit etwa 200 ml Alkohol aufgegossen und zwei Wochen dunkel aufbewahrt. Danach wird die Flüssigkeit durch einen Kaffeefilter abgegossen und aufgefangen, um weitere zehn Tage dunkel zu stehen. Nach einem weiteren Filtern wird die fertige Tinktur in eine dunkle Flasche abgefüllt.

 

Die Tinktur muss vor der Anwendung mit Wasser verdünnt werden (1:7 bis 1:10) und darf auf keinen Fall in großflächige offene Wunden gelangen, weil sie dort Hautreizungen oder allergische Reaktionen hervorrufen kann. Bei großflächigen Wunden empfiehlt sich als Alternative eine verdünnte Calendula-Lösung als Wundspülung (5-10%ig). Auch darf die Tinktur nicht innerlich angewendet werden (toxische Wirkung der Sesquiterpenlaktone).

Bei lokaler Anwendung hat die Arnica die oben bereits genannten Wirkungen: Antiphlogistisch, analgetisch und antiseptisch (Wirkung des Helenalin auf den Entzündungsprozess – Hemmung von NFKappa-B ; Thymol und Flavonoide wirken antiphlogistisch und antiseptisch).

Anwendungen beim Tier allgemein

Bei Blutergüssen, posttraumatischen Schwellungen, Quetschungen, Prellungen und Kontusionen haben sich feuchte Umschläge mit Arnika bewährt. Dazu wird ein Eßlöffel Tinktur in einen halben Liter handwarmen Wassers gegeben (starke Verdünnung wegen möglicher Wunden). Damit werden dann, je nach Größe des Tieres, Gazekompressen oder größere Tücher getränkt und auf die erkrankten Stellen aufgelegt. Die Umschläge sollten eine halbe bis eine Stunde einwirken und nach Möglichkeit zweimal täglich angelegt werden.

TIPP: Bei Tieren mit langem Fell darauf achten, dass Tinktur oder Salbe auch tatsächlich die Haut benetzen!

Neben diesen meist bekannten Anwendungsgebieten kommen aber auch noch einige besondere in Betracht:

Anwendungen bei Hund und Katze

Blutohr

Andre Grafe (Leiter der ATM in Bad Bramstedt) prophezeit „wahre Wunder“ bei der Behandlung des Blutohres bei Hunden (1:5) und Katzen (1:10) mit Arnikatinktur-Einreibungen. In fast allen Fällen erübrigt sich eine Operation. Einen kleinen Schönheitsfehler gilt es dabei in Kauf zu nehmen: Ab und an kann durch die Vernarbung eine leichte Verziehung der Ohrmuschel entstehen. Die Einreibungen werden ein bis zweimal mal täglich auf die erkrankte Stelle aufgebracht und verbleiben am Tier.

Anwendungen beim Pferd

Pyodermien

In der Pferdepraxis sind tiefe Pyodermien, z.B. die Phlegmone, ebenso wie oberflächliche Pyodermien, wie z.B. ein Erysipel bei Mauke, sehr gut beeinflussbar. Die Schwellung und die Empfindlichkeit gehen zumeist schon nach 8-10 Stunden zurück. Bewährt haben sich dazu heiße Arnica-Aufgüsse. Die Temperatur sollte heiß genug sein (es erfolgt bereits ein Temperaturverlust durch die Stoffauflage), aber dem Tier erträglich. Sie haben sich im Experiment wirkungsvoller als reine Heißwasseraufgüsse gezeigt und sind auch angenehmer als alkoholische Einreibungen (s.u. „Salbe“).

Satteldruck

Bei frischen Satteldruckstellen kann wahlweise ein Umschlag angelegt (s.o., eine halbe Stunde, nach Möglichkeit zweimal täglich) oder die Stellen vorsichtig mit einer 1:5 Tinktur oder einer Salbe eingerieben werden. Dies ebenfalls zwei mal täglich. Beides verbleibt am Pferd. Zudem sollte -je nach Verlauf der Heilung- das Reiten mit Sattel für mindestens eine Woche vermieden werden. Alte, verdickte Druckstellen behandelt man zusätzlich mit durchblutungsfördernden Mitteln wie feuchten Arnicaverbänden (2-3 Tage) und im Anschluß daran mit Conium- oder Antimonium-Crudum-Salbe (DHU) über mehrere Tage, mindestens zweimal täglich.

Kreuzverschlag

Auch bei einem Kreuzverschlag kann Arnica begleitend gute Dienste leisten. Dazu wird ein warmer Umschlag auf die Lendenmuskeln aufgebracht. Zur Fixierung und zum Halten der Wärme wird zusätzlich eine Decke aufgelegt. Das ist besonders wichtig, da ein Auskühlen grundsätzlich den gegenteiligen Effekt erzeugt: Die Kapillaren ziehen sich zusammen, die Muskulatur wird weniger durchblutet und die Problematik verstärkt sich. Die Umschläge werden alle sechs Stunden gewechselt bis sich eine Besserung einstellt.

Waschungen

Arnica-Tinktur kann mit Wasser zum Abwaschen überanstrengter und geprellter Muskeln und Beine verwendet werden. Ebenfalls wird empfohlen, etwas Arnica-Tinktur in das Waschwasser zum Abkühlen beanspruchter Sportpferde zu geben. Dazu werden 5ml Arnica-Tinktur in 2 Liter Wasser gegeben.

SALBE

Salben können selbst hergestellt oder über den Handel bezogen werden.

Wichtig! Arnica-Salbe ist bei offenen Wunden nicht geeignet, weil sie gerne Entzündungen und allergische Reaktionen auslöst. Ist die Haut äußerlich verletzt, empfiehlt sich eine verdünnte Calendula-Tinktur oder eine Ringelblumensalbe. Hypericum, das Johanniskraut, hilft als Salbe oder Tinktur gut bei Schürfwunden.

Zur Herstellung einer Arnicsalbe kann folgendes Rezept genutzt werden. Man benötigt:
- 1:1 Sheabutter mit Arnicaöl
- andere Stoffe nach Belieben in 10-Gramm-Schritten (z.B. Calendulaöl, Johanniskrautöl etc.)

Die Butter wird langsam zum Schmelzen gebracht und weitere Stoffe werden nach und nach eingearbeitet. Je mehr flüssige Bestandteile hinzugefügt werden, desto weicher wird die Salbe!

Die Salbe kann für die bereits oben genannten Einsatzgebiete genutzt werden. Es ist aber zu bedenken, dass das Auftragen der Salbe ggf. beim Tier zu vermehrter Schmerz- und Berührungsempfindlichkeit führt. Zudem kann der mechanische Reiz des Einreibens das Gewebe weiter schädigen. Hunde und Katzen lecken in der Regel, je nach Lokalisation, aufgetragene Salben ab. Hier bietet sich der Einsatz eines Salbenverbandes an.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die einzelnen Therapieformen (Homöopathie, Tinktur und Salben) natürlich auch parallel zur Anwendung kommen können. Ferner sollte man das Tier während der Behandlung mit Tinkturen und Salben genau beobachten. Einerseits weil Arnica eben auch allergenenes Potential aufweist. Aus diesem Grund findet Arnica eher im Akutbereich Anwendung als im chronischen Bereich. Das gilt natürlich nicht für die homöopathische Behandlung!

Zum Anderen sollten die Behandlungen dem Tier auf keinen Fall Stress oder Unannehmlichkeiten bereiten. Tiere wissen meist genau, ob und wie lange eine Behandlung Ihnen gut tut.

Autorin: Eva-Maria Dinter

Quellen

Tierhomöopathie – Zeitschrift für Menschen mit Tieren II / 2008 (Claudia Grothus / Sabine Löchle) Praxisleitfaden Tierhomöopathie (Christiane P. Krüger) Homöopathische Materia Medica für Veterinärmediziner (Hans Martin Steingsassner) Klinische Materia Medica (Robin Murphy) Handbuch der Homöopathischen Leitsymptome (Roger Morrison) 60 kurzgefasste Arzneimittelbilder für die Veterinärhomöopathie (Achim Schütte) Die magische 11 der Homöopathie für Kinder (Reichelt / Sommer) Phytotherapie in der Tiernaturheilkunde – Skript Phytotherapie 3 ATM www.awl.ch www.wikipedia.de (gemäß Creative-Commens-Lizenz) http://www.carstens-stiftung.de/wissen/hom/pdf/hunger_wilkens_klinische.pdf Heilkräuter für Pferde (Hilary Page Self) Kräuterapotheke für Pferde (Dr. Jürgen Bartz) Kräuterheilkunde für Pferde (Hilke Holena)

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