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Coronavirus und Haustiere

Coronavirus und Haustiere Nordseher - Pixabay Coronavirus und Haustiere

SARS-CoV-2 / COVID-19 hat uns inzwischen fest im Griff. Aber was ist mit unseren Haustieren, allen voran Hund und Katze? Sind sie empfänglich dafür, dürfen wir sie noch streicheln und mit ihnen kuscheln?

Können unsere Haustiere an COVID 19 erkranken? Der Auslöser für die Atemwegserkrankung, SARS-CoV-2, gehört zur Familie der Coronaviridae, einer seit den 1960er Jahren bekannten Virenfamilie. Verwandt ist es mit SARS-CoV(-1) und dem MERS-CoV, die 2002/3 bzw. 2012-2014 pandemisch waren. Sieben humanpathogene Coronaviren gibt es, doch nur die genannten drei können nach bisherigem Kenntnisstand auch zu sehr schweren, bisweilen tödlichen Krankheitsverläufen führen.

SARS-CoV-2: Übertragungskette noch nicht bekannt

Coronaviren befallen Säugetiere (dazu gehört auch der Mensch), Vögel und Fische. Meist sind sie wirtsspezifisch, d.h. jede Art hat „ihre“ Coronaviren. Nur wenige von ihnen können die Artengrenze überspringen und von einer Art auf eine andere übergehen. Für SARS-CoV und MERS-CoV, Coronaviren, die in den vergangenen Jahren ebenfalls humane Pandemien auslösten, wurde das nachgewiesen. Fledermäuse waren hier Überträger, und die Viren gerieten über die „Brückenwirte“ Zibetkatze und Marderhund bzw. Kamel an den Menschen. Für das derzeitige Virus wird ein ähnlicher Übertragungsweg als Auslöser der derzeitigen Pandemie vermutet, aber wie dieser genau aussieht, ist noch nicht bekannt.

Doch das betrifft Wildtiere, keine Haus-und Nutztiere. Die World Small Animal Veterinary Association (WSAVA), eine weltweite Tierärztevereinigung, geht nicht von einer Übertragbarkeit durch Haustiere aus, auch nicht von deren Erkrankung durch das Virus. Zwar wurde in Hongkong ein Hund schwach positiv getestet, aber bislang ist dies ein Einzelfall geblieben, bei dem zunächst von einer Kontamination des Hundes durch die erkrankte Besitzerin ausgegangen wurde. Aufgrund der Laborbefunde nach Quarantänestellung des Hundes wurde die Diagnose später auf vermutlich schwach infiziert korrigiert. Aber weder erkrankte der Hund, noch vermehrten sich die Viren in ihm. Als relevantes Erregerreservoir spielen Haustiere also keine Rolle.

Auch das European Centre of Disease Prevention and Control (ECDC) und die WHO gehen nicht von einer Übertragbarkeit auf und durch Haustiere aus, entsprechend gibt es auch keine besonderen Ratschläge für Sicherheitsmaßnahmen im Umgang mit Tieren. Von der Einhaltung allgemeiner Hygienemaßnahmen abgesehen.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Friedrich-Löffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit/FLI) gehen ebenfalls nicht von einer Gefährdung von oder durch Haus- und Nutztiere aus. Das FLI empfiehlt lediglich Tierärzten, bei ungewöhnlichen Atemwegserkrankungen von Hund und Katze sicherheitshalber auf SARS-CoV-2 zu testen. Aber das gilt dem wissenschaftlichen Interesse an den Verbreitungswegen und basiert nicht auf einer vermuteten Ansteckungsgefahr. Tests des FLI an Hühnern und Schweinen haben auch für diese Nutztiere ebenfalls keine Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 nachweisen können. Bei Schweinen war dies insofern von besonderem Interesse, als ein anderes, schweinespezifisches Coronavirus (Porcines Coronavirus/PEDV) bei Ferkeln zum Tod führt. Anders dagegen die Ergebnisse der Untersuchungen an Frettchen und Flughunden. Diese beiden Tierarten scheinen für das Virus als Wirtstiere infrage zu kommen. Insbesondere Frettchen scheinen für die Weitergabe zumindest untereinander prädisponiert zu sein, zeigen aber keine Krankheitssymptome (Pressemeldung FLI vom 2. März 2020).

Hunde und Katzen stellen kein Erreger-Reservoir dar

Hunde und Katzen dürfen weiterhin nach draußen. Erkrankten Hundehaltern empfiehlt die WSAVA prophylaktisch, allzu engen Kontakt zu meiden und ihren Hund möglichst von anderen betreuen zu lassen. Weil eine Übertragung auf Hunde wegen der Laborbefunde des Hongkonger Hundes nicht hundertprozentig sicher auszuschließen ist, wird außerdem empfohlen, dass Erkrankte bei der Versorgung von Tieren vorsichtshalber Atemschutzmasken und Handschuhe tragen und es mit den Hygienemaßnahmen genau nehmen.

Beim ECDC heißt es zum Umgang mit Haustieren: “Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Haustiere (z.B. Hunde und Katzen) ein Infektionsrisiko für den Menschen darstellen. Aber als grundsätzliche Vorsichtsmaßnahme ist es angeraten, beim Kontakt mit Tieren die Grundregeln einer angemessenen Hygiene zu beachten.“ Unter den aufgelisteten Quellen-Links können und sollten Sie sich regelmäßig über den Entwicklungsstand informieren.

Quellen:

Robert Koch Institut
WSAVA
Friedrich-Löffler-Institut
European Centre of Disease Prevention and Control
WHO (Der Zugriff auf Veröffentlichungen der Institute erfolgte am 16.3.2020 und am 3.4.2020)

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. Seit 2014 schreibt sie für ATM und ATN Blogbeiträge, ist Autorin von Skripten und betreut als Tutorin die Studierende unterschiedlicher Fachbereiche. In die Wissensvermittlung fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und 1.Vorsitzende im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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