Klinische Beispiele

Klinische Beispiele Tierpsychosomatik Ausbildung

Klinische Beispiele für psychogene Erkrankungen in der Tierheilkunde Klinische Beispiele für psychogene Erkrankungen in der Tierheilkunde

Klinische Beispiele für psychogene Erkrankungen in der Tierheilkunde

Präputialkatarrh

Praeputialkatarrh

Der Präputialkatarrh beim Hund ist für diesen selbst kaum belastend. Umso mehr stellt er jedoch oft ein Problem für die Halter des Tieres dar. Insbesondere, wenn es sich bei diesen um Familien mit kleinen Kindern handelt. Denn die Entzündung der Vorhaut des Hundes produziert Eiter, der die Wohnung verschmutzen und mit Bakterien kontaminieren kann. Dass diese Bakterien kaum pathogen sind, spielt für den Besitzer eher keine Rolle. Der hygienische Aspekt ist für ihn so wichtig, dass der Hund in seiner Bewegungsfreiheit in der Wohnung eingeschränkt wird, was dieser als Isolierung aus dem Sozialgefüge interpretieren kann. Die durch diesen sozialen Stress belasteten Hunde zeigen zu besonders hartnäckigen Ausfluss, der kaum zu beherrschen ist, selbst wenn sich die Menge des Eiters stark reduzieren kann.

Der Fluss von Sekreten spiegelt meistens eine gute Resistenzlage wider, weil der Körper seine Abwehrmechanismen, in diesem Fall die Entzündung, aufrechterhält und die Vorhautschleimhaut regelrecht durchspült, was im Sinne der lokalen Resistenz ist.

Sistiert der Ausfluss bei einem Katarrh, also "bessert" sich der Zustand laut Aussagen der Halter, ist dies oft ein Zeichen für eine stressbedingte Immunsuppression und die Krankheit neigt zu Chronizität.

Deshalb wird in der tierpsychosomatischen Heilkunde nicht das Leiden an sich therapiert. Das Leiden an sich dient vielmehr als Indikator für die Beurteilung psychosomatischer Zusammenhänge. Für die weitere Behandlung sind die "Eigenheiten" des Tierpatienten in seiner spezifischen Umwelt ausschlaggebend.

Juckreiz und Schmerzen

Ohrenentzuendung

Signale der Haut können sehr subtil, aber auch geradezu dramatisch sein. Im Bild ist eine durch Malassezia spp. bedingte Entzündung des Gehörgangs zu sehen. Diese hat infolge des mit ihr einhergehenden starken Juckreizes zu den Hautveränderungen, dem sogenannten Lichen, geführt.

Dabei greift diese Hefe-Mykose nie eine gesunde Haut oder einen gesunden Körper an. Die Störung, die hier zu Grunde liegt, ist entweder psychischer Natur oder gehört zur Neurodermitis des Hundes. Wenn eine Neurodermitis ausgeschlossen werden kann und sich an weiteren typischen Stellen des Körpers klassische juckende Erytheme mit typischem Geruch finden, hat es der Therapeut mit einer sprichwörtlichen „seelischen Offenbarung“ zu tun.

Statt mit einer kausalen anti-mykotischen Therapie zu antworten, hat der in der psychosomatischen Heilkunde geschulte Tierheilpraktiker die Chance herauszufinden, was diese Anfälligkeit ermöglicht hat. Dann kann er die Ursachen beheben. Als Therapie kann neben rein naturheilkundlicher Behandlung eine Verhaltenstherapie erfolgen. Tierheilpraktiker ohne Zusatzausbildung in Verhaltenstherapie sind dazu auf die Kooperation mit versierten Verhaltenstrainern angewiesen. Nur wer sich in beiden Bereichen gleichermaßen ausgebildet hat, kann diese komplexe Aufgabe in Personalunion leisten.

Erfahren Sie mehr über die Kombination Tierheilpraktiker für Verhaltenskunde. Kombinationsmöglichkeiten

Cauda Equina Syndrom

Cauda Equina Syndrom

Es gibt Erkrankungen, die sehr schmerzhaft sind und das Wesen des Hundes völlig verändern können. Im Bild sieht man einen Patienten mit dem Cauda Equina Syndrom, einer chronischen Rückenerkrankung, die hier mit der Lähmung der Hintergliedmaßen verlief. In akuten Episoden dieser Erkrankung können Phasen auftreten, in denen Schmerzen sehr plötzlich und mit sehr hoher Intensität bei bestimmten Bewegungen auftreten und genauso plötzlich verschwinden. Dieser Zustand wird von Angst und Panik begleitet, was wiederum die Schmerzschwelle herabsetzt.

Wenn die psychische Verfassung ein katastrophales Ausmaß an Verzweiflung erreicht hat und die individuellen Bewältigungsstrategien des Tieres (Coping) versagt haben, stellt sich ein Zustand ein, der in der Humanpsychologie im ICD 10 als F43.0 kategorisiert ist (akute Belastungsreaktion). Die Folge sind Trägheit, Apathie, Lethargie, sogar Desorientiertheit. Hunde ziehen sich zurück und reagieren nicht mehr auf äußere Reize. Meist halten solche Zustände nur wenige Tage an und verschwinden dann wieder. Die akute Belastungsreaktion kann jedoch auch mit Unruhe, Erregung und Flucht einhergehen. Für ganzheitlich orientierte Tierheilpraktiker und Physiotherapeuten bietet dieses Wissen entsprechende diagnostische und therapeutische Möglichkeiten, die je nach Spezialisierung entsprechend praktisch genutzt werden können.

Themenbeispiele aus unserem Lernstoff zum Thema "Schmerzpsychologie":

  • Periphere und zentrale Schmerzorgane, Hormone und Übertragungssubstanzen
  • Neurologische und psychobiologische Faktoren der Chronifizierung und Plastizität
  • Schmerz als eine psychobiologische Erfahrung, die aus sensorischen UND emotionalen Komponenten besteht
  • Schmerzbildung und Empfindung. Psychologische Grundlagen der Schmerztheorie
  • Einfluss der Schmerzen auf die Lernbereitschaft, Motivationslage, Veränderung des Wesens (z.B. hohe oder niedrige Aktivität, Aggressivität, Lethargie)
  • Psychosomatische Aspekte der Schmerzen  
  • Akuter und chronischer Schmerz im Hinblick auf psychosoziale Interaktionen 
  • Akuter Schmerz, Schonung und Rückzug
  • Individuelle Strategien des Tieres und des Tierbesitzers zur Schmerzvermeidung des Tieres im Sinne von Coping
  • Schmerzwahrnehmung bei Demenz des Hundes, Schmerzzeichen beim ausbleibenden Ausdrucksverhalten

Leck-Zwang

Leckzwang-Pyogranulom

Ein ganz anderer Aspekt in der Tierverhaltensmedizin bringt der sogenannte Leckzwang ein, der als abnormal-repetitives Verhalten (ARV) in der Tiermedizin und in der Human-Psychologie als Zwangsstörung F42.1 oder Stereotypie F98.4 in ICD10 beschrieben ist. Wir zitieren absichtlich wieder ICD10, um zu zeigen, wie oft sich psychische Störungen bei Tieren finden, die auch bei Menschen bestens untersucht und seit Langem bekannt sind.

Der Leckzwang wird trotz Schmerz oder Verbot vom Tier weiter praktiziert. Bei Versuchen, das Lecken zu verhindern (z.B. Verband), kommt es bei den Hunden oft zu Verhaltensauffälligkeiten oder zur Verlagerung des Problems an andere Orte.

Hier handelt es sich um ein sehr hartnäckiges Problem, das trotz Psychopharmaka, Verhaltenstherapie, symptomatischer Schmerzbehandlung, chirurgischer Maßnahmen usw. keine Ergebnisse im Sinne einer Heilung bringt. Hier hat nur eine aufwändige psycho-soziale Anamnese Chancen beim Finden der Ursachen für dieses Verhaltens.

Atopische Dermatitis

Atopische-Dermatitis

Atopische Dermatitis: Diese Menge an Schuppen hinterließ ein West Highland Terrier während nur einer Untersuchung auf dem Behandlungstisch. Auch dieses Krankheitsbild bringt für die Halter des Hundes große Belastungen mit sich, weil die sogenannte Seborrhö von einer starken Geruchsentwicklung und von Juckreiz begleitet wird. Manchmal führt das dazu, dass sich die Besitzer vom Hund abwenden und ihn sogar immer mehr isolieren. Interaktionen werden seltener und bisweilen wird dem Hund sogar Territorium entzogen, weil er z.B. nicht mehr ins Wohnzimmer darf oder sein Aktionsradius sich nur noch auf den Hausflur beschränkt. All das wirkt sich auf die Psyche des Hundes aus.

Auffallen wird ein Zusammenhang aber erst bei bio-psycho-sozialer Betrachtung des Falles. Der Teufelskreis, in welchem sich Hund und Halter befinden, kann nur durch entsprechende Intervention durchbrochen werden. Ansonsten bedeutet soziale Kälte nur noch mehr Stress für den Hund. Sein Immunsystem wird dadurch weiter beeinträchtigt, was eine Verschlechterung der für den Halter unangenehmen Symptome des Hundes zur Folge hat. Das wiederum führt zu noch mehr Rückzug des Halters, und der Teufelskreis nimmt seinen Lauf.

Konditionierungseffekte

Konditionierungseffekte-Trachealkollaps

Jedes Mal, wenn diese kleine Hündin ihr Herrchen von der Arbeit zurückkommen hörte, reagierte sie mit Unruhe, mit Husten und sogar Würgen. Kamen Frauchen und die Kinder nach Hause, passierte dergleichen selten oder nie. Selbst wenn bereits auf den ersten Blick eine klare Ursache für Tierbesitzer (Angst vor Herrchen) erkennbar ist, weiß nur der erfahrene und medizinisch ausgebildete Praktiker, dass hier auch noch ein anderes Problem, der sogenannte Trachealkollaps, vorliegen kann. Übrigens nicht die Angst, sondern Freude waren die Auslöser der Attacken!

Durch zu weiche und teilweise fehlende Knorpelspangen in der Luftröhre bei Hunden kollabiert diese bei heftiger Einatmung, sodass dieser Zustand nicht nur Husten und Würgen, sondern sogar Erstickungsanfälle verursachen kann. Wenn ein ruhender Hund Grund zur Erregung bekommt und bei geschlossenem Fang heftiger einatmet, kommt es zu einem starken Unterdruck bei der Einatmung durch die Nase, sodass die Trachea kollabiert. Das löst das plötzliche Husten bzw. Würgen aus. Das alleine hat mit der Psychosomatik nichts zu tun, weil dies nur ein erklärbares Symptom ist.

Bei der Hündin kam es aber nach einer Weile zur Somatisierung, die sich durch Panikattacken mit Durchfall in sehr unterschiedlichen Situationen eingestellt hat. Verhaltenstherapeutisch waren übrigens Konditionierungseffekte so gut wie ausgeschlossen.

Malasezia-Dermatitis

Malasezia-Dermatitis

Träge, lernunfähig, ängstlich, traurig, langweilig, verschlafen, bewegungsscheu, interessenlos, meidet soziale Kontakte, reizbar bis aggressiv – eine Beschreibung wie diese gleicht einem Feuerwerk an Verhaltenssymptomen bei der Unterfunktion der Schilddrüse.

Seit der ersten Beschreibung dieser Krankheit bei Menschen versucht man, Zusammenhänge zwischen Schilddrüsendysfunktion und emotionalen Faktoren herzustellen.

Eine von diesen führt zu verminderter Stressadaptation. Viele betroffene Hunde geraten sogar in Stress, wenn sich andere, egal ob befreundete Artgenossen oder menschliche Sozialpartner, von ihnen wegen oben beschriebener Symptome, die sie unattraktiv machen, abwenden.

In der Tat beobachtet man bei solchen Hunden sehr unterschiedliche Symptome, die im Bereich der Psychosomatik einzustufen wären, wie hier die Malasezia-Dermatitis am Nasenrücken.

Wer kann aber behaupten, dass es sich um eine psychosomatische Folge handelt? Die Schulmedizin hat eine Diagnose ad ex juvantibus, Homöopathen und Akupunkteure können die Zusammenhänge aus der Methodik nach einer Anamnese erahnen. Wer heilt hat recht!

Durchfall

Durchfall-Nervoeser-Colon

Vermutlich ist nicht wenigen Hundehaltern das Phänomen bekannt, dass sich ein Durchfall, der beim Spaziergang auftritt, weiter intensiviert. Dabei beginnt der Durchfall meist mit einem völlig normalen Stuhl. Dann steigt die Zahl der Defäkationen, und der Stuhl wird zum Ende des Spaziergangs immer breiiger. Zum Schluss kann man bei einigen Hunden sogar nur noch leeres Pressen mit Austritt von etwas Schleim und Blut beobachten.

Dieser sogenannte "Nervöse Colon" ist zwar harmlos, aber ein Beweis dafür, wie das autonome vegetative Nervensystem durch Sinneseindrücke und Erwartungsspannungen, aber auch durch Freude, physiologische Prozesse beeinflussen kann.

Therapeuten finden hierin ein schönes Beispiel für die Somatisierung psychischer Symptome. Bei den Homöopathen ist der Nervöse Colon längst ein praktisch genutztes Symptom bei der Suche nach dem Konstitutionsmittel. Für Homöopathen bietet die Tierpsychosomatik daher auch ein ideales Werkzeug, um Typisierungen vorzunehmen.

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