Konzept

Tierpsychosomatik: Ausbildungskonzept

Tierpsychosomatik: Ausbildungskonzept Tierpsychosomatik: Ausbildungskonzept

Wie ist das Konzept der Ausbildung aufgebaut?

Die Entstehung von Krankheiten haben zuerst die Philosophen der Antike über das Seele-Leib-Problem zu erklären versucht. Die heutige Wissenschaft liefert direkte Beweise für diese Verflechtung und damit auch medizinisch relevante Lösungen.

Die ersten Publikationen zu diesen Themen im Bereich der Tiermedizin erschienen in den 80erJahren. Für damalige Zeiten war es schon mutig, in wissenschaftlichen Kreisen von psychisch bedingten Erkrankungen zu sprechen. Dennoch kamen von Panconesi, D K. Walton, J. Holzworth und D.W. Scott Publikationen zu diesem Thema heraus, die später Grundsteine für den weitbekannten Titel "Small Animal Dermatology" und dessen Kapitel “Psychogene Dermatosen” sein würden. Schon damals wurde bekannt, dass ...

... bei Hautkrankheiten emotionale Faktoren eine außerordentliche Rolle spielen und dass mindestens 40% der Hautkrankheiten der Patienten mit dermatologischen Problemen nicht wirksam behandelt werden konnten, wenn diese Zusammenhänge nicht beachtet wurden.

Ein schönes Beispiel für den Zusammenhang von Stress und Krankheit sind vor allem eitrige Hautkrankheiten, die sogenannten Pyodermien. Hier wenden sich Halter selbst bei starker Bindung von dem Tier ab, indem sie nach und nach die Bereiche reduzieren, in denen sich das Tier aufhalten kann, weil es überall eitrig-blutige Flecken hinterlässt.

Ein so isolierter Hund erleidet sozialen Stress, der sein Immunsystem negativ beeinflusst, wodurch sich die Krankheit entweder verschlimmert oder nicht aus eigener Kraft geheilt werden kann.

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Das besonders Problematische in solchen Fällen ist, dass junge Familien sich so verhalten, um das Kind nicht durch eine eventuelle Ansteckung zu gefährden. Durch die neue Familienzusammenstellung ist der Stress in solchen Situationen beim Hund noch vielschichtiger und zehrender.

Im Folgenden können Sie sich anhand von Beispielen die Arbeit eines Hundeverhaltenstherapeuten oder Tierheilpraktikers mit Zusatzausbildung Tierpsychosomatik ansehen und wie ihr Einsatz in einem solchen Fall aussehen könnte.

Tierverhaltensberater und Verhaltenstherapeuten

Frustrierte Hunde - wie die aus dem obigen Beispiel - entwickeln meistens zunächst Auffälligkeiten im Verhalten, bevor es zur eigentlichen Somatisierung, also körperlichen Symptomen, kommt. Hier könnte der Verhaltenstherapeut zu Rate gezogen werden, wenn sich auch andere Auffälligkeiten gezeigt haben. Möglicherweise könnte es sein, dass das isolierte Tier zerstörerisches oder aufmerksamkeitsforderndes Verhalten entwickelt.

Bei der Verhaltensanalyse findet der Verhaltenstherapeut die Ursache des Verhaltens. Wenn der Verhaltenstherapeut auch die zugrundeliegende psychosomatische Symptomatik versteht, findet dieser die Bestätigung für seinen Verdacht auf sozialen Stress und erkennt sogar das Ausmaß der Störung. Jetzt kann er den Tierbesitzer entsprechend instruieren und am Tier eventuell verhaltenstherapeutisch tätig werden, wobei allein schon die Beschäftigung oder das Spielen mit dem Hund alles bessern könnten. In diesem Fall wird nicht die zugrunde liegende Krankheit behandelt, sondern die kausalen Ereignisse, die überhaupt erst zur Verschlechterung des Krankheitsverlaufs beigetragen haben.

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Tierheilpraktiker

Der Halter wird seinen Hund wegen der oben beschriebenen Hauterkrankung und nicht wegen der Verhaltenssymptome vorstellen.

Sein Arsenal an naturheilkundlichen Mitteln würde übrigens hier nie ausreichen, um eine Besserung der Hauterkrankung zu bewirken, ohne den Stress als kausale Rolle abzubauen, was hier durch die Beschäftigung oder das Spiel geschieht.

Wenn er die psychosomatische Verflechtung schnell findet, dann kann er schon durch einfache Maßnahmen oft eine Besserung erreichen.

Schon die mehrmals tägliche Verabreichung von Placebos wird vom Hund als soziale Zuwendung verstanden, weil der Mensch die Interaktion initialisiert. Diese kann den Stress des Hundes wesentlich beeinflussen und alleine diese Maßnahme kann eine deutliche Besserung der Symptome bewirken.

Natürlich wissen Sie als Insider, dass wir uns nun mitten in einer Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie befinden (Stichwort: Placebos). Damit wollten wir nur sagen, dass wir und unsere Tiere auf allen Kanälen aktiv beobachten und alles bewusst verarbeiten, auch die Artefakte der sozialen Interaktion!

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Psychologie der Beziehung von Mensch und Tier

Die Tatsache, dass der Mensch Tiere vollkommen beherrscht und von sich abhängig macht und eine Quelle der Verhaltensprobleme bei Tieren darstellt, rückt ihn zwangsläufig als psychosozialen Faktor ins Zentrum des Interesses der Therapeuten. Auch dieses Gebiet erweitert den Horizont der Therapeuten und sollte mitgebracht werden oder parallel in einem anderen Lehrgang, zum Beispiel Verhaltensberatung oder Tierpsychologie, erlernt werden.

Wie Sie sehen, ist das Gebiet der Psychosomatik bei Tieren interdisziplinär und zwischen Biologie, Tiermedizin, Verhaltenstherapie, Neurowissenschaften, Psychoimmuno-Endokrinologie, Spezieller Ethologie, Psychologie sowie Anthrozoologie angesiedelt.

Der Lehrgang ist so konzipiert, dass erst durch mitgebrachtes beruflich orientiertes Wissen ein neues Verständnis der Krankheit im Sinne der bisher ausgeübten beruflichen Tätigkeitsfelder entstehen kann.

Das nötige Wissen dazu werden alle Interessierten mitbringen, die Lehrgänge wie Tierpsychologie, Verhaltenstherapie oder Tierheilpraktiker belegen.

Für andere verwandte Berufsgruppen oder Absolventen älterer Jahrgänge gibt es bei der ATM ergänzende Lektionen, um diese Wissenslücken zu schließen.

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