Konzept

Tierpsychosomatik: Ausbildungskonzept

Konzept der Ausbildung Tierpsychosomatik Konzept der Ausbildung Tierpsychosomatik

Von einer psychosomatischen Erkrankung wird gesprochen, wenn die psychische Verfassung eines Individuums den Verlauf einer Krankheit modifiziert oder Krankheitssymptome verursacht. Das findet sich nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Tieren.

Haben Tiere eine Psyche?

An der ATM haben wir uns entschieden, auch in Bezug auf Tiere das Wort "Psyche" zu benutzen, selbst wenn die Psyche des Tieres der des Menschen möglicherweise nicht ganz entspricht. Auch bei Tieren liegt jedoch ein Denken und Fühlen vor. Beides wird in der modernen Psychologie als "Psyche" verstanden. Aus unserer Sicht gibt es daher keinen Grund, bei Tieren nicht von einer Psyche, analog zu der des Menschen, zu sprechen.

Anders als Menschen können Tiere jedoch keine Aussagen aus der Ich-Perspektive geben. Ihre Selbst- oder Eigenwahrnehmung, also das Subjektive, bleibt anderen, beispielsweise den Therapeuten, verschlossen. Dennoch können sich nicht nur Primaten an Erlebnisse erinnern, aus eigener Erfahrung handeln oder etwas emotional erleben, und dies durch ihr Verhalten zeigen.

Viele Tiere besitzen ein überaus reiches emotionales Ausdrucksverhalten. Der Mensch kann dieses jedoch nicht "intuitiv" entschlüsseln – außer er ist in enger Sozialisierung mit einer Tierart aufgewachsen oder hat sich diese Fähigkeit später durch Beobachten und Interpretation angeeignet. Dieses Wissen auf andere, "fremde" Tierarten zu übertragen, gelingt dennoch kaum. Da die Tierpsychosomatik außerdem speziesspezifisch ist, haben wir uns auf die Tiere beschränkt, die am häufigsten soziale Beziehungen mit Menschen eingehen und unter menschlicher Obhut leben: Hund, Katze und Pferd. Dabei steht das bislang umfangreichste Material hinsichtlich des Hundes zur Verfügung, weshalb der Lehrgang hundeorientiert ist, aber die Erkenntnisse auf jede Tierart umzusetzen sind.

Wer trotz allem an den emotionalen Fähigkeiten von Tieren zweifelt, findet beste Beweise für die emotionale Welt der Tiere in der Pharmakologie. Bevor Psychopharmaka zugelassen werden, wird deren Wirksamkeit an Tieren geprüft. Ganz gleich ob Anxiolytika, Sedativa, Antidepressiva, Phasenprophylaktika, Antipsychotika, Neotropika oder Stimulantien – alle Mittel werden nicht nur hinsichtlich ihrer Verträglichkeit an Tieren geprüft, sondern explizit auch im Hinblick auf ihre Wirksamkeit. Daraus kann nicht zuletzt abgeleitet werden, dass es bei Tieren wissenschaftlich gesicherte Modelle für Angst, Depressionen, Demenz, Apathie, Somnolenz usw. gibt, die in der Forschung genutzt werden. Und wenn die Wissenschaft diese Modelle praktisch nutzt und beispielsweise Arzneimittel herstellt, die bei analogen psychischen Zuständen bei Menschen eingesetzt werden, wäre es töricht, den Tieren außerhalb der Pharmakologie die Existenz dieser psychischen Zustände abzusprechen.

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Ob vergleichbare psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Bipolare-, Phobische Störungen, Depressionen usw. bei Tieren tatsächlich auftreten können, wird unter anderem bei der Suche nach denjenigen Genen bei Tieren, die auch bei Menschen psychische Störungen verursachen, erforscht. Hier liegen sehr interessante Ergebnisse vor.

Aus einem ganz anderen Blickwinkel wird die Existenz von Emotionen bei Tieren durch Untersuchungen an Hunden verdeutlicht, die mittels Magnetresonanztomografie (MRT) von Gregory Berns, Professor für Psychologie an der Emory Universität in Atlanta realisiert wurden und werden. Das bildgebende Verfahren des MRT zeigt dabei nicht nur, dass Tiere Emotionen haben, sondern dass diese Aktivität in den gleichen Hirnregionen wie beim Menschen stattfindet.

Beweise für die Verknüpfungen zwischen Emotionen und Körper zeigt auch die Theorie zur Neuro-Immuno-Endokrino-Psychologie. Sie belegt die Existenz der Tierpsychosomatik anhand von Reaktionsmustern, Rezeptoren und Botenstoffen sowie topografischer Anatomie.

Tierpsychosomatik und Evolution

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Wir können davon ausgehen, dass psychosomatische Störungen beim Tier nicht nur einfach „existieren“. Evolutionär betrachtet muss ihr Ausmaß bei Tieren noch weitaus größer sein als beim Menschen: Denn in der freien Wildbahn werden psychosomatische Störungen zum Selektionsdruck instrumentalisiert. In der Biologie und Verhaltenskunde spricht man hier oft von Stress und zeigt unzählige Beispiele auf, wie dessen Folgen sehr rasch zur Gesundheitsbeeinträchtigung und sogar zum Tode führen können. Es sind genau diese Untersuchungen, die die Existenz von Psychosomatosen beim Tier belegen. Die angesprochenen Studien sind übrigens weltweit sehr zahlreich. Sie werden Ihnen im Lehrgang durch unsere Autoren, promovierte Neurobiologen und Physiologen, u.a. vorgestellt.

Geschichte der Tierpsychosomatik

Tierpsychosomatik Ausbildung
Tierpsychosomatik Ausbildung

Die ersten Hinweise auf Verbindungen zwischen Psyche und Krankheit bei Tieren fand man in den 1980er Jahren. Für damalige Verhältnisse war es für Wissenschaftler mehr als mutig, in wissenschaftlichen Kreisen von psychisch bedingten Erkrankungen bei Tieren zu sprechen – allzu leicht konnte man unvermittelt sämtliche wissenschaftlichen Anerkennungen verlieren. Dennoch erschienen von Panconesi, D K. Walton, J. Holzworth und D.W. Scott Publikationen zum Thema. Diese legten später den Grundstein für das weit bekannte Buch "Small Animal Dermatology" und dessen Kapitel "Psychogene Dermatosen". Darin stand beispielsweise, dass

bei Hautkrankheiten emotionale Faktoren eine außerordentliche Rolle spielen, und dass mindestens 40 Prozent der Hautkrankheiten der Patienten mit dermatologischen Problemen nicht wirksam behandelt werden konnten, wenn diese (Anm. psychosomatischen) Zusammenhänge nicht beachtet wurden.

Erkrankungen, die auf psychische Faktoren zurückgehen, lassen sich naheliegender Weise nicht nur auf die Haut beschränken. Beim Hund ist das aber tatsächlich ein Ort, der vieles über die Psyche verraten kann. Psychosomatische Erkrankungen finden sich aber auch oft im gastrointestinalen Trakt, im Genital- und Sexualbereich, im Verhalten und im neurologischen Bereich, unabhängig von der jeweiligen Tierart.

Der Ursprung psychosomatischer Erkrankungen findet sich in der Regel im sozialen Bereich und in der Haltung eines Tieres. Die ATM hat die Psychosomatik im Hinblick auf die damit verbundenen Herausforderungen für Tierheilpraktiker und Tierphysiotherapeuten entwickelt. Das Wissen um die Tierpsychosomatik erlaubt ihnen, Krankheiten, die einen psychischen Ursprung haben, aus medizinischer Sicht in ihrer Kausalität zu verstehen. So können Tierheilpraktiker und Tierphysiotherapeuten, aber auch Tierärzte, Biologen und andere nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch die Psyche ihrer Tierpatienten verstehen und behandeln.

In allen kurativen Berufen, ganz gleich ob in den tierärztlichen oder den tiernaturheilkundlichen, ergeben sich für Therapeuten durch die Tierpsychosomatik völlig neue Perspektiven und Lösungen bei der Therapie von Krankheiten und deren Prävention. Dennoch birgt die ganzheitliche Tierheilkunde gegenüber der Schulmedizin die weitaus größere Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten psychosomatisch bedingter Erkrankungen beim Tier. Therapeuten steht hier die gesamte Bandbreite an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, von Homöopathie über Phytotherapie und Licht- und Farbtherapie, bis zu Akupunktur, Physiotherapie und Osteopathie. Deshalb kann die Tierpsychosomatik an der ATM auch nur in Kombination oder aufbauend auf die entsprechenden Fächer gelernt werden.

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