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Entzündungsreaktionen am Auge bei Pferden

Entzündungsreaktionen am Auge bei Pferden Foto-Biene Entzündungsreaktionen am Auge bei Pferden

Entzündungsreaktionen am Auge bei Pferden

In Gesprächen mit angehenden Tierhomöopathen bemerke ich, dass Entzündungsreaktionen bei Tieren, insbesondere bei Pferden, nicht immer korrekt eingestuft werden. Dabei werden oft schon geringste Veränderungen als Entzündung ausgelegt, selbst wenn es sich nur um Anpassungsreaktionen handelt und eine rasche Normalisierung die Regel ist.

Hier die Erläuterung dazu:

Angenommen Sie reiben Ihre Augen, wie es bei Müdigkeit erfolgt, aber stärker. In Sekundenschnelle kommt es zur Rötung der Bindehäute und zu einem spürbaren brennenden Reiz. Würde sich jetzt ein Arzt Ihre Augen anschauen, würde er von Conjunctivitis sprechen und vielleicht auch ein Mittel verschreiben. Wenn man ihn aber über die Entstehung aufklärt, verweigert er vermutlich die Behandlung. Dann würde es heißen: “Die Antwort der Bindehaut auf den Reiz ist angemessen und deren Unterdrückung, z.B. mit Kortison, steht wegen der Risiken nicht im Verhältnis zum Nutzen.

Der Homöopath dagegen hat die Möglichkeit, nach der Ähnlichkeitsregel immer ein passendes sinnvolles Mittel zu verordnen. Interessanterweise hat er immer ein sinnvolles Mittel, selbst wenn er die Kausa nicht kennt. Er handelt phänomenologisch und sucht nach einem Mittel, das die gleichen Symptome verursacht, wie der Patient sie aufweist. Manchmal ist die Krankheit schon überstanden und dennoch findet sich ein ähnliches homöopathisches Mittel, allerdings nicht immer ein wirklich sinnvolles. Aber wann ist die Therapie einer Entzündung angebracht und wie soll sie aussehen?

Die Entzündung ist eine Abwehrreaktion des lebenden Organismus gegen verschiedene schädigende Faktoren (thermische, chemische, physikalische Faktoren, Bakterien, Viren u.v.a). Sie erkennen eine Entzündung durch die Kardinal-Symptome, die Celsus schon 30 v. Chr. beschrieben hat:

  • die Wärme – calor
  • die Schwellung – tumor
  • der Schmerz – dolor
  • die Rötung – rubor
  • und die gestörte Funktion (dieses Merkmal fügte 1858 noch Virchow hinzu).

Die Beurteilung einer Entzündung scheint also einfach zu sein, vor allem die der Adspektion zugänglichen Körperregionen. Am besten lässt sich die Entzündung an den Schleimhäuten und der Haut beobachten. Das hat die Pharma- und Kosmetikindustrie leider auch schon erkannt, diese testen routinemäßig an der Kaninchenbindehaut verschiedene Stoffe, weil die Ablesbarkeit der Ergebnisse so einfach ist.

Die häufigste Sie beschäftigende Frage ist: Müssen alle Kardinal-Symptome vorhanden sein, damit man von einer Entzündung sprechen kann? In den Repertorien gibt es Rubriken, wie z.B. Entzündung, aber auch einzelne Symptome wie Rötung, Schwellung, Schmerz. Ist das alles nicht einfach auch Entzündung? In der Praxis bereiten diese verwandten Symptome selten Probleme. Schmerz und gestörte Funktion kann auch bei nicht entzündlichen Prozessen entstehen. Rötung, Schwellung und Wärme dagegen begleiten aber meistens eine Entzündung, wobei es auch hier Abstufungen gibt. Steht im Repertorium als Symptom “Entzündung”, so bezieht es sich auf diese drei Symptome.

Jetzt möchte ich Ihnen einen Fall vorstellen, der aber schon therapiebedürftig war. Hier handelt es sich um eine ödematöse Schwellung der Bindehaut, die sogar mit Blässe gekennzeichnet war. Diese Schwellung der Conjunctiva nennt man Chemosis. Eigentlich ist sie das sicherste Zeichen einer Entzündung, weil die Durchlässigkeit der Kapillaren vergrößert sein muss, sonst würde sich keine Schwellung bilden können.

Wie Sie im ersten Bild sehen können, ist es eine besondere Entzündungsart. Ist sie unbedingt therapiebedürftig? Durch den starken Blepharospasmus wissen wir, dass der Schmerz lästig für das Tier sein musste. Warum sollte man eine Verkürzung der Unanehmlichkeiten nicht zügig vorantreiben, selbst wenn irgendwann die Selbstheilung sowieso einsetzen würde?

Der Patient bekam Apis C30 zweimal innerhalb von 4 Stunden. Das Ergebnis sehen Sie im nächsten Bild. Bei dem Patienten war nach ca. 6 Stunden nicht die Spur einer Entzündung mehr zu sehen. Der starke Blepharospasmus hatte sich ebenfalls völlig gelegt. Die Schwellung der Bindehaut finden Sie im Repertorium unter Bindehaut, Chemosis. Hier unten der gleiche Patient wie oben im Bild 6 Stunden später.

Es gibt eine weitere Steigerung der Bindehautentzündung; das ist die Schwellung und die Rötung -siehe nächstes Bild.

Das ist schon ein eindeutiges Zeichen für eine harte Auseinandersetzung mit schädigenden Faktoren. Die Entzündung hat hier nicht nur vorbeugenden abwehrenden, sondern reparativen Charakter. Hier war vermutlich die starke Sonnenbestrahlung die Ursache für den Reiz der Conjunctiva. Die Heilung erfolgte durch Belladonna innerhalb von 24 Stunden. Dieses Mittel wurde dem Pferd wegen der gleichzeitig auftretenden Dermatitis solaris (Sonnenbrand) und der Blässe verordnet. Die scheinbare Trübung der Cornea kommt durch die unkorrekte Untersuchung des Auges im Freien. In der Hornhaut spiegeln sich Himmel, Bäume und Gebäude. Die Untersuchung der Hornhaut sollte im abgedunkelten Raum mit eigener Lichtquelle erfolgen. Übrigens tritt der Sonnenbrand an der Bindehaut beim Pferdeauge vor allem an der schwach pigmentienten Nickhaut auf. Hier war das nicht der Fall, das Begleitsymptom “Sonnenbrand” war Wegweiser zum Mittel.

Die nächste Stufe der Entzündung beinhaltet Rötung+Schwellung+Gefäßinjektionen und Blepharospasmus. Hier sehen Sie als Beispiel für diese fortgeschrittene Entzündung eine Conjunctivitis bei einem Hund. Diese Art von Conjunctivitis ist auf jeden Fall therapiebedürftig.

Hier wird es etwas schwieriger, ein Mittel zu finden, weil mehrere Mittel wie Aconitum, Apis, Argentum nitricum, Arsenicum abum, Belladonna, Croton, Dulcamara, Euphorbium, Euphrasia, Ferrum, Ipecacuanha, Kalium bichromicum, Kalium jodatum, Lycopodium, Mercurius, Natrium muriaticum, Rhus toxicodendron, Senega oder Thuja in Frage kommen. Sie müssen das ähnlichste finden. Bedenken Sie, dass diese Mittel auf die Augen bezogen sind.

In der Homöopathie haben wir gerade bei der lokalen Therapie mit organotrop wirkenden Mitteln zu tun. Diese oben genannten Mittel werden bei der Entzündung der Haut, des Gehörganges, des Nagelbettes usw. nicht wirken. Schon alleine die Entzündung der Augenlidränder, nicht die der Bindehaut wird mit Aethusa, Antimonium crudum, Clematis, Graphites, Hepar, Mercurius sol. und Sulphur behandelt. Ein noch krasseres Beispiel wäre die Entzündung der Augenlidwinkel; hier findet sich sogar ein Tropismus der Mittel zum äußeren und inneren Winkel.

Ein universales Mittel, das eine Entzündung abdeckt, findet sich also nicht wirklich. Oft werden Sie aber bei der Entzündung auf Belladonna, Apis und Aconit stoßen, sodass diesen ein universaler antiphlogistischer Charakter zugeschrieben wird. Eine Entzündung als solche muss jedoch dem Ort zugeordnet werden, dann werden Sie noch die Ursache und die Modalitäten berücksichtigen müssen. Nur dann können Sie unter den vielen, in etwa ähnlichen Mitteln, die in den Rubriken aufgeführt sind, das ähnlichste finden. Arbeit nur nach Gefühl und ohne Repertorium oder sonstige Bücher führt bei wenig erfahrenen Homöopathen nicht zur Wahl des passendsten Mittels!

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