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Weihrauch: Ein besonderes Kraut

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Weihrauch: Ein besonderes Kraut

Bereits vor 3000 Jahren wendeten vor allem die Ägypter Weihrauch nicht nur als Duftstoff an, sondern auch im medizinischen Bereich als Heilmittel. Weihrauch wurde aus Somalia, Äthiopien, Indien und den Ländern am Roten Meer über feste Handelswege, den sogenannten Weihrauchstrassen, nach Ägypten und Mesopotamien transportiert. In Ägypten wurde neben Myrrhe auch Weihrauch zum Einbalsamieren der Toten verwendet. In der christlichen Kirche wurde Weihrauch erst im 5. Jahrhundert als Opfergabe akzeptiert.

Im Alten Rom herrschte der Glaube vor, dass Weihrauch die Nahrung der Götter sei. Hippokrates ( 406 – 377 v.Chr.) setzte Weihrauch beispielsweise zur Wundbehandlung, gegen Krankheiten der Atemwege und bei Verdauungsproblemen ein. Inzwischen ermöglichen moderne Labormethoden die Erforschung der Heilwirkung von Weihrauch. 1991 konnte der Tübinger Professor Ammon und seine Mitarbeiter den entzündungshemmenden Wirkstoff Acetyl-11-keto-b-Boswellia-Säure (AKBA) im Weihrauch nachweisen. Folgende Einsatzmöglichkeiten haben sich aufgrund von Untersuchungen vor allem ergeben: Rheumatische Arthritiden, entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa und Asthma bronchiale. Weihrauch ist jedoch kein Wundermittel. Der Vorteil gegenüber konventionellen Mitteln besteht jedoch darin, dass er Linderung herbeiführen kann – ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Es wird das gesamte Harz verwendet. Dadurch können alle Inhaltsstoffe des Weihrauchs ihre Wirkung entfalten. Das heißt die einzigartige Ausgewogenheit der Bestandteile, wie sie nur in der Natur vorkommen kann, trägt zur Gesamtwirkung bei. Man spricht hierbei von dem sogenannten Synergieeffekt. Weihrauchharz wird hauptsächlich aus wild wachsenden Bäumen gewonnen. Der als Gartenzierstrauch beliebte Weihrauch ist nicht identisch mit den pharmazeutisch verwendeten Boswellia – Arten.

Die Pflanze

Die Gattung Boswellia gehört zur Familie der Balsambaumgewächse (Burseraceae). Benannt nach dem Forscher John Boswell. Er lebte im 18. Jahrhundert in Edinburgh. Dabei können verschiedene Boswelliaarten unterschieden werden. Über 20 Arten sind bekannt. Die Stammpflanzen des Weihrauchharzes sind Boswellia sacra, der in Südarabien wächst, Boswellia carteri und Boswellia frereana aus Somalia und Boswellia serrata, der in Indien heimisch ist. Boswellia serrata wird auch Salai- oder Saphalbaum genannt. Unterschieden wird zwischen dem arabischen Harz: Olibanum, und dem indischen Harz: Salai Guggal. Wobei der in der Apotheke verkaufte Weihrauch allgemein Olibanum heißt. Olibanum gehört zu den Gummiharzen. Der Parameter für die pharmazeutische Qualität sind für Indischen Weihrauch aus Boswellia serrata in der Monographie des Europäischen Arzneibuches 5.07 beschrieben. Je nach Baumart, Höhenlage und Zeitpunkt der Ertne weist das transparente, glänzende Weihrauchharz eine weißlich-gelbliche oder ins rotbräunlich gehende Färbung auf. Im allgemeinen kann man davon ausgehen, dass die Harzqualität umso besser ist, je höher die Pflanzen wachsen. Erstklassige Qualität kann man bei Höhen über 800m erwarten. Dabei weisen vermehrt braune oder dunkle Anteile auf schlechtere Qualität hin. Die Baumarten wachsen in Trockengebieten auf meist felsigen Böden und sogar auf Berghängen. In kargen Landschaften erreicht der harzspendende Baum Wuchshöhen von 1,5m-8m. Die Weihrauchbäume, die eher wie Dornenbüsche anmuten haben eine flach ausgebreitete Krone. Mit den breiten und flach ausgebildeten Wurzeln können sie das wenige Regenwasser in den Trockengebieten optimal nutzen. Die grüngraue Rinde schält sich in dünnen, papierartigen, glatten Stücken ab.

Verarbeitung

Die Erntezeit beginnt zwischen Ende März und Anfang April und dauert mehrere Monate. In den Zwischenzellräumen der Weihrauchbäume bildet sich ein milchiger Saft, der beim Einschneiden der Stämme austritt. Den Bäumen werden mit speziellen Schabemessern Schnitte an Stamm und Ästen zugefügt. Dazu müssen die Sammler die Struktur der harzführenden Schichten genau kennen, um dem Baum nicht zu schaden. Das nur langsam austretende zähflüssige Harz verfestigt sich dann durch den Einfluss von Sonne und Luft. Diese beiden Faktoren sind zusammen mit der Bodenbeschaffenheit unter anderem mitverantwortlich für die Qualität des Harzes. Der erste Erntevorgang ergibt nur ein sehr minderwertiges Harz, das in dünnen Fäden fließt. Im Gegensatz dazu ist ein zu dichten Tropfen geformtes Harz von besonders guter Qualität. So ein Harz erhält man in der Regel frühestens drei Wochen nach der ersten Ernte, wobei die Qualität mit den weiteren Wochen immer besser wird. Die Bäume dürfen jedoch höchstens in drei aufeinander folgenden Jahren abgeerntet werden. Nach mehreren jährlichen Ernten muß eine mehrjährige Erntepause eingehalten werden. Die Harzausbeute richtet sich dabei nach Alter, Größe und Zustand des Baumes. Sie liegt während einer Ernteperiode pro Baum bei 3-10kg Harz. Das Baumharz schmeckt etwas bitter und ist praktisch geruchlos. Pharmazeutisch werden Harstücke verwendet, die mindestens 3cm lang und weißlich-grün sind.

Inhaltsstoffe

Im Weihrauch konnten mehr als 200 verschiedene chemische Substanzen nachgewiesen werden. Jedoch kann die chemische Zusammensetzung selbst bei der gleichen Art sehr unterschiedlich sein. Dies ist zum einen auf den Einfluß diverser Standortfaktoren zurückzuführen. Werden wild wachsende Pflanzen kultiviert gleichen sich diese Unterschiede an. Zum anderen basieren diese Unterschiede auf genetischen Abweichungen, wie sie bei wild wachsenden Pflanzen häufig vorkommen.Es gibt also nicht „den Weihrauch“, da es sich um ein natürliches Vielstoffgemisch handelt. Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Harzes können unabhängig von der jeweiligen Art grob eingeteilt werden in: Harz 60% – 70% / Gummi 27%-35% / Ätherisches Öl ca. 5%-7% . Desweiteren sind verschiedene Terpene nachweisbar, wie beispielsweise die Boswelliasäuren, die maßgeblich zu der medizinischen Wirkung beitragen. Bereits 1898 berichtet O.Halbey in seiner für die Universität Bern erarbeiteten Dissertation „über das Olibanum“, dass das Weihrauchharz etwa 33% einer kristallisierenden Säure: Boswelliasäure enthält. 1978 konnten durch Extraktion und Ausfällung verschiedene Boswelliasäuren aus dem Harz isoliert und in reiner Form gewonnen werden.Die Boswelliasäuren sind relativ gut charakterisiert, da sie maßgeblich die medizinische Wirkung des Weihrauchs ausmachen. Sie werden der Gruppe der pentazyklischen Triterpene zugeordnet und besitzen in Position C-4 eine Säurefunktion. Je nach Stellung der Methylgruppen an den Positionen C-19 und C-20 ergibt sich die alpha- oder beta- Konfiguration, wobei die Wirkung der beta-Isomere der der alpha-Isomere überlegen ist.

Wirkung

Den meisten Indikationen, bei denen Weihrauch in der modernen Medizin therapeutisch eingesetzt werden kann, ist ein entzündlicher Hintergrund gemein. Entzündete Gewebe setzen als Botenstoffe unter anderem Leukotriene frei. Diese führen zur Aktivierung von Granulozyten, Anlockung weiterer Entzündungszellen, Ausschüttung reaktiver Sauerstoffspezies und lysosomaler Enzyme. Letzten Endes wird dadurch die Entzündung ausgedehnt und auf die Dauer das beteiligte Gewebe geschädigt. Leukotriene entstehen im Organismus aus Arachidonsäure, einer 4-fach ungesättigten C20-Fettsäure (Eicosa-tetraen-säure). Die Arachidonsäure ist ein regelmäßiger Baustein der Phospholipide in Zellmembranen und wird durch Phospholipase- A2 freigesetzt. Sie dient dann Cyclooxigenasen (Isoenzyme 1 und 2, genauer COX1 und COX2) und der Lipoxygenase als Substrat. Zusammen mit den Prostaglandinen rufen die Leukotriene das Spektrum der die Entzündung charakterisierenden Symptome (Rötung, Überwärmung, Schwellung, Schmerz, Funktionseinschränkung) hervor. Voraussetzung für die Synthese von Prostaglandinen ist die Anwesenheit der Cyclooxygenase. Das Isoenzym COX1 ist in den entsprechenden Geweben dauerhaft (konstitutiv) vorhanden. Die Synthese von COX2 wird erst in bestimmten (patho)physiologischen Situationen induziert, zum Beispiel unter der Einwirkung des Entzündungsmediators TNF-alpha. Die Boswelliasäuren hemmen den Tumor-Nekrose-Faktor). Boswelliasäuren des Weihrauchs hemmen aber vor allem ganz gezielt die Bildung von Leukotrienen, indem sie das für die Bildung von Leukotrienen verantwortliche Enzym 5-Lipoxygenase hemmen. Erhöhte Konzentration von Leukotrienen treten beispielsweise bei rheumatoider Arthritis auf. In Deutschland wurden 1994 bei der 26. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie Daten über eine Versuchsreihe an 81 Patienten mit rheumatoider Arthritis vorgestellt. Dabei wurden 42 Patienten Placebos, den übrigen 39 Patienten ein Weihrauchpräparat verabreicht. Das Ergebnis: Gegenüber den Patienten der Placebogruppe kam es bei den Patienten, die mit Weihrauch behandelt wurden nach 6-12 Wochen zu einer deutlichen Abnahme von Gelenkschwellungen und Schmerzen, außerdem zu einem verbesserten Allgemeinbefinden mit verminderter Morgensteifigkeit. Nebenwirkungen wie gelegentlicher Durchfall oder Übelkeit traten nur selten auf.

Beispiel Arthritis

Der Rheumatismus kommt bei Tieren äußerst selten vor. Meist lokalisiert sich die Erkrankung nur an einem Gelenk. Bei Pferden sind die kleinen Mittelfuß-, Mittelhand – sowie Kron-, Fessel – und Hufgelenke betroffen. Bei Kleintieren hingegen eher die großen Gelenke wie Hüft -, Schulter -, Knie – und Ellenbogengelenk. Liegt eine akute Entzündung des Gelenks vor spricht man von einer Arthritis. Genauer gesagt ist in dem Fall die gefäßhaltige Membrana synovialis entzündet, also die innere Membran der Gelenkkapsel. Diese innere Schicht produziert die Synovia (Gelenkflüssigkeit) durch die die Reibung der Gelenkenden zueinander herabgesetzt wird. Sie wirkt somit als eine Art Gelenkschmiere. Die sonst klare, bernsteinfarbene, fadenziehende Synovia wird bei einer Entzündung trüb und ist nicht mehr fadenziehend. Die Entzündung entsteht durch starke Kapillarisierung der Synovialis und Erhöhung der Durchlässigkeit der Kapillaren. Aus diesem Grund bildet sich Exsudat in der Gelenkhöhle und aus den Kapillaren steigen Abwehrzellen in die Synovialis. Somit geht eine Synovialitis mit einer Schwellung der Gelenkkapsel einher. Bei der Arthrose hingegen, die eine chronische degenerative Gelenkentzündung ist, entsteht erst sekundär durch die Zerfallsprodukte eine Entzündung der Synovialis. Primär wird der Knorpel geschädigt. Veränderungen am Knorpel sind irreperabel. Eine Wiederherstellung des Gelenks ist nicht mehr möglich. Umso wichtiger ist es mit geeigneten Therapiemethoden den Schaden rasch zu begrenzen und das mit möglichst nebenwirkungsarmen Mitteln. Hierbei stellt der Weihrauch eine interessante Möglichkeit dar. Es gibt dabei unterschiedliche Angaben zur Dosierung, wobei generell geraten wird langsam anzufüttern. Weihrauch sollte jedoch auch ausreichend hoch dosiert werden. Man geht davon aus, dass sich bei zu geringen Dosierungen die entzündungshemmenden Effekte umkehren, da in dem Fall mehr Leukotriene gebildet werden.

Weitere Forschungsansätze

Als Naturstoffgemisch wirkt Weihrauch auf unterschiedlichen Ebenen. So können zum Beispiel mehrere Enzyme von unterschiedlichen Inhaltsstoffen gehemmt werden. Auch können manche Inhaltsstoffe erst die Wirkung des eigentlichen Wirkstoffes ermöglichen, indem sie seinen Transport an den Wirkort unterstützen. Außerdem können sich verschiedene Inhaltsstoffe auch antagonisieren, das heißt ein Inhaltsstoff hemmt die Wirkung eines anderen. Diese multifaktorelle Wirkweise vieler natürlicher Zubereitungen erschwert oft die Bestimmung der zu Grunde liegenden Wirkmechanismen. Um die Gesamtwirkung verstehen zu können, müssen zuerst alle an der Wirkung beteiligten Inhaltsstoffe mit ihrer Enizelwirkung bekannt sein. Untersuchungen zur Wirksamkeit von Weihrauch wurden hauptsächlich mit vollständigen Extrakten durchgeführt, oder mit den isolierten beta-konfigurierten Boswelliasäurederivaten. In einigen Fällen ist der genaue Ablauf der Wirkmechanismen nicht bekannt. Teilweise kann man nur auf Kenntnisse aus der Anwendung zurückgreifen. Eine weitere denkbare Einsatzmöglichkeit für Weihrauch sind Hirntumoren. In vitro konnte ein antiproliferativer Effekt auf verschiedene Tumorzelllinien für Boswelliasäuren gezeigt werden. Dies wird vor allem damit erklärt, dass Weihrauchextrakte einen Einfluß auf Caspasen haben sollen, die die Apoptose (programmierter Zelltod) der Tumorzellen verursachen können. Ein wichtiger Aspekt für den Einsatz von Weihrauch ist sicherlich seine vergleichsweise gute Verträglichkeit. Beispielsweise im Vergleich zur Therapie mit Glucocorticoiden. In unphysiologisch hohen Konzentrationen unterdrücken Glucocorticoide Entzündungseaktionen. Dabei wird die Freisetzung von Arachidonsäure gedrosselt, und es entstehen weniger Entzündungsmediatoren vom Typ der Prostaglandine und Leukotriene. Als Nebenwirkungen können Veränderungen drohen, die denen beim Cushing – Syndrom (endogene Cortisol – Überproduktion ) gleichen. Desweiteren kann es zu Infektionsneigung und Wundheilungsstörungen kommen, infolge der immunsuppressiven Wirkung der Glucocorticoide. Dies ist nur eine Auswahl der möglichen Nebenwirkungen, die vor allem bei langfristiger Anwendung auftreten. Dennoch haben Glucocorticoide sinnvoll eingesetzt sicherlich auch ihre Berechtigung. Es ist dabei eine sorgfältige Nutzen – Risiko – Abwägung nötig. Die Studien über Weihrauch scheinen alles in allem vielversprechend und es bleibt abzuwarten was weitere Forschungsergebnisse noch ergeben. Weihrauch als annehmbare Alternative in der Medizin zeigt somit, dass die Erforschung altbekannter Heilmittel mit Hilfe moderner Methoden neue Anwendungsbereiche aufzeigen kann, oder aber auch altbewährte Anwendungen wissenschafltlich belegen kann.

Autorin: Nicole Bidner

Literatur

Heidelore Kluge, Dr. R. Charles Fernando, Prof. Dr. Michael Winking, „Weihrauch und seine heilende Wirkung“, Haug-Verlag

Pharmazeutische Zeitung: PZ26/96 „Weihrauch demnächst als Antiphlogistikum?“

PTA-Forum online: Boswellia spp./www.pta-forum.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Weihrauch

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