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Fellwechsel - das Pferdefell im Frühjahr

Der Fellwechsel beim Pferd - eine haarige Angelegenheit. T. Brandes Der Fellwechsel beim Pferd - eine haarige Angelegenheit.

Das Pferdefell im Frühjahr

Die Pferde lassen ihren Winterpelz fallen und lösen damit wahre Putzorgien durch ihre Besitzer aus. Zu keiner anderen Zeit widmet der Pferdehalter dem Fell des Pferdes so viel Aufmerksamkeit wie im Fellwechsel. Zu Recht.

"Der sieht im Frühjahr immer so aus", sagt die Besitzerin von „Picolino“ und schrubbelt dem Warmblut-Wallach mit einem harten Plastikstriegel in seinem zerrupften Fell herum. „Nur die Schuppen nerven“, ergänzt sie. Dabei sind ein schlechtes Fell und Schuppen im Frühjahr und damit im Haarwechsel keineswegs normal, sondern Symptome, hinter denen eine tiefergehende Erkrankung stecken kann. Der Fellwechsel offenbart dies oft schonungslos. Grundsätzlich ist eine Hauterkrankung immer Ausdruck eines beeinträchtigten Organismus. Pferde, deren Fell im Frühjahr eher einem mottenzerfressenen Plüschmantel gleichen, sollten einem eingehenden Gesundheitscheck unterzogen werden. „Die Haut ist der Spiegel der Seele“, sagt man ja und meint die menschliche Haut. Aber auch beim Pferd können Hauterkrankungen sekundär durch Stress hervorgerufen werden.

Pferdehaut im Stress. Auch außerhalb des Fellwechsels.

Dabei sind die Symptome weniger gemütsbetont, sondern Folge eines durch Stress in seiner Arbeit eingeschränkten Immunsystems. Der Kreislauf ist einfach zu verstehen: Futterneid, Stallwechsel, Reiter-/Besitzerwechsel, Herdenveränderung – all das führt zu einer schlechteren Abwehrlage. Bakterien, Parasiten, Viren und Pilze, die sonst in kleinen Mengen völlig ohne das Pferd krank zu machen auf oder im Körper leben, nutzen diese Chance für eine sprunghafte Vermehrung. Besonders Hautpilz tritt in solchen Stress-Situationen vermehrt auf. Aber auch eine Schwächung des Immunsystems durch mangelhafte Hygiene oder suboptimale Haltung und Fütterung, besonders über den Winter, verschaffen dem Hautpilz seine Chance. Sogar Parasiten wie Haarlinge befallen in der Hauptsache geschwächte Organismen und sollten daher immer ein Alarmsignal sein und nicht abgetan werden mit "Das haben die halt mal im Fellwechsel."

Wichtig für die Pferdehaut: Haltungsbedingungen überprüfen.

Es gibt viele Hautsymptome, die nicht die eigentliche Erkrankung darstellen, sondern Ausdruck einer ganz anderen Fehlfunktion im Organismus sind. Darum steht nicht unbedingt die lokale Therapie im Vordergrund, sondern die systemische Betrachtung des ganzen Körpers. Eine kritische Überprüfung von Haltung und Fütterung bietet fast immer Optimierungspotential: Hat das Pferd ausreichend Platz? Kann es sich artgerecht bewegen? Hat es Kontakt zu Artgenossen? Kann es am „Stallleben“ teilnehmen? Hat es genug Luft und Licht? Bekommt es genug zu fressen? Sind die Karenzzeiten kurz genug? (Anmerkung: Futterkarenzen sollten 5 Stunden nicht überschreiten!) – All das sind Fragen, die man sich in so einer Situation stellen sollte. Ist hier eine Verbesserung durchgeführt und entschärfen sich die Hautsymptome dann nicht von allein, dann sollte mittels Blutbild und Haarmineralanalyse die körperliche Versorgungslage auf wissenschaftliche Weise überprüft werden. Möglicherweise liegt eine verschleppte Infektion vor oder das Pferd kämpft mit einer anderen Schwäche, wie z. B. einer Leberfunktionsstörung.

Von innen therapieren hat Vorrang vor lokaler Therapie.

Wichtig an der äußerlichen Therapie ist es, die Haut in ihrer Funktion zu erhalten. Damit ist in erster Linie die Erhaltung der Elastizität an den Stellen gemeint, an denen die Haut stärkeren Belastungen ausgesetzt ist: Schweifrübe, Mähne, Fesselbeuge. Eine einfache, leichte Öl-in-Wasser-Emulsion leistet hier gute Dienste. Schießen Sie nicht mit Kanonen auf Spatzen! Ein prophylaktisch verabreichtes Anti-Parasitikum hilft nur, wenn auch tatsächlich ein Parasitenbefall konstatiert wurde. Auch eine Pilzimpfung ist bei hartnäckigem Pilzbefall nicht empfehlenswert, ist doch der Pilz Ausdruck einer schlechten Abwehrlage. Diese beeinflusst man durch eine Impfung nicht positiv genug, weil die Ursache für die Immunschwäche damit nicht abgestellt wird. Bessere Fütterung und Haltung sind hier wesentlich effektiver.

Das Ekzempferd im Fellwechsel.

Das gilt im Übrigen auch für Ekzemer, deren Mähne und Fell über den Winter nachgewachsen sind, sofern das Pferd im Sommer nicht ausreichend gepflegt wurde. Für den Fellwechsel brauchen alle Pferde eine Extra-Portion Mineralien, nicht nur Ekzemer – erhöhen Sie die Mineralstoffzufuhr also während des Fellwechsels pauschal um rund 20 %. Aufs Gramm kommt es nicht an. Beim Ekzemer ist es damit jedoch nicht getan. Ein Blutbild oder noch besser ein Mineralstatus über eine Haarmineralanalyse geben Aufschluss darüber, ob der Körper Mängel entwickelt hat. Beim Ekzempferd ist das in der Regel beim Zink der Fall, denn die Reparatur der Haut verbraucht eine Menge davon. Die Körperdepots werden oft über den Winter geleert und müssen im Frühjahr kurmäßig aufgefüllt werden.

Auch ist darauf zu achten, dass die Haut frei von Schuppen wird. Das Entfernen des Winterfells sollte daher täglich zelebriert werden, besonders exponierte Stellen (Mähnenkamm, Schweifrübe) ab und zu mit einer leichten Öllotion gepflegt werden. Fangen Sie aber nicht an, das Pferd mit Shampoo zu waschen oder Leichtkämm-Präparate zu benutzen. Diese verstärken die Hautdysfunktion, auch, wenn auf der Packung das Gegenteil behauptet wird. Waschungen im Fellwechsel sollten nur dann durchgeführt werden, wenn sie wirklich nötig sind, d. h. wenn sich Hautläsionen oder Krusten zeigen. Dann aber reicht in der Regel eine Waschung mit Salzwasser. Hier nicht das ganze Pferd baden (im Frühjahr ist es mitunter noch ziemlich kalt und ein nasses Pferd ist da keine gute Idee), gezieltes Betupfen der auffälligen Stellen ist meist ausreichend. Ziel muss es sein, die natürliche Hautfunktion herzustellen und nicht nur Symptome zu überdecken. Achten Sie jetzt auch peinlich genau auf den Beginn der Ekzemsaison und schützen Sie ihr Pferd vor den Kriebelmücken, bevor das Pferd wieder anfängt, sich bis aufs Blut zu scheuern.

Pferde, die kein Sommerekzem haben, die aber jetzt im Fellwechsel anfangen sich zu scheuern, müssen nicht unbedingt krank sein. Loses Fell juckt und die Temperaturschwankungen, die in dieser Jahreszeit normal sind, führen naturgemäß dazu, dass Pferde, die noch im Winterfell stehen, vermehrt schwitzen. Da juckt das Fell natürlich. Ein "Abschubbeln" des Fells in normalem Maße ist daher kein Problem. Erst, wenn an exponierten Stellen Hautsymptome entstehen, Borken, Schuppen oder auch großflächige Haarbrüche oder gar kahle Stellen, sollte man überprüfen, ob hier nicht Parasiten der Auslöser sind. Frühes Eingreifen verhindert hier Schlimmeres und macht auch den Fellwechsel für das Pferd viel angenehmer.

An der Haut des Pferdes kann man viel ablesen. Ein Pferd mit glänzendem Fell und schuppenfreier, elastischer Haut ist nicht nur schöner anzusehen, sondern auch viel leistungsbereiter!

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