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PTBS beim Hund? - Therapie und Training eines traumatisierten Hundes

PTBS beim Hund? - Therapie und Trainin Katarina Radonic - istock.com PTBS beim Hund? - Therapie und Trainin

Menschen mit einem traumatisierten Hund wünschen sich, dass ihr Vierbeiner sich wohler fühlt. Er soll glücklicher und gelassener werden und sich wieder besser in den menschlichen Alltag einfügen können. Wie aber erreichen wir diese Ziele? Nachdem ich im vorangegangenen Artikel über Definition, Symptome und Diagnose des PTBS beim Hund geschrieben habe, erläutere ich nun Maßnahmen, die das Standard “Angst-Trainingsprogramm” individuell ergänzen können.

In der Literatur zu PTBS beim Hund werden vor allem Maßnahmen genannt, die auch bei anderen Angst-Störungen angewendet werden: Management, Desensibilisierung, Gegenkonditionierung auf verschiedenen Wegen und Medikamente (Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Beta-Blocker). (Zum Beispiel: Kelley (2011), Huntingford (2013), Dodman (2016), Alupo (2017), Dao (2019)).

Es stellt sich jedoch die Frage, ob diese Maßnahmen ausreichen, um traumatisierten Hunden zu helfen? Denn bei einer PTBS leidet der Hund nicht nur unter Phobien, sondern unter weiteren Problemen. Deswegen müssen neben den Phobien auch das dauerhaft alarmierte Stress-System, Intrusionen, Flash-Backs und der Verlust der Handlungsfähigkeit therapiert werden.

Der folgende Text beruht auf den Erkenntnissen der genannten Autoren und meinen Erfahrungen als verhaltenstherapeutische Tierärztin.

Techniken aus der Humanpsychologie, die für den Hund anwendbar sind

Einige der Ideen aus der Humanpsychologie sind auch für Hunde verwendbar:

  • Huber (2003) betont, dass eine Traumatherapie mit einer Phase der Stabilisierung beginnt. Dazu gehören unter anderem die Herstellung äußerer Sicherheit (Verhinderung weiterer Traumatisierungen, Versorgung grundlegender Bedürfnisse), Krisenmanagement (Umgang mit problematischen Verhaltensweisen und Emotionen), Herstellung belastbarer Beziehungen und Stärkung innerer Ressourcen (z.B. der Glaube an die eigenen Fähigkeiten). (Siehe dazu auch Dehner-Rau und Reddemann (2007)) Auch andere Autoren (Perry 2014) beschreiben die Bedeutung von positiven Beziehungen.
  • In seinem Buch „Verkörperter Schrecken“ betont Bessel van der Kolk (2016), dass das entgleiste Stress-System wieder ins Gleichgewicht gebracht werden muss. Außerdem soll der Mensch wieder erlernen, dass er handlungsfähig ist. Dieser Aspekt der „Selbstwirksamkeit“ (die Überzeugung, durch das eigene Tun das Leben zu verbessern) ist besonders wichtig. Denn während des Traumas hat die Person sehr eindrücklich erlebt, dass das eigene Handeln wirkungslos bleibt.

Stressmanagement, Steigerung der Selbstwirksamkeit und Aufbau von belastbaren und positiven Beziehungen können auch bei traumatisierten Hunden eingesetzt werden:

Walter Burghardt arbeitet mit Militärhunden, die im Kriegseinsatz traumatisiert wurden. Er wendet Stress-Management (Aufenthalt in ruhiger, sicherer Umgebung), positive Interaktionen mit der primären Bezugsperson und Enrichement an. (beschrieben in Rosa (2016), Foote (2017) und Broach (2018)).

Besonders lesenswert ist in diesem Zusammenhang das Büchlein „Empowerment Training“ von James O´Heare (2018). Er beschreibt Techniken zum Aufbau von Selbstwirksamkeit bei Tieren, die wissenschaftlich belegt und in der Praxis bewährt sind.

Kathy Sierra und Steinar Sigurbjornsson unterrichten in ihrem Online-Programm „Intrizen“ Techniken aus den Wissenschaften von Kognition, Lernen, Motivation und Bewegung. Ihr beeindruckendes Programm ist auf Pferde ausgerichtet, lässt sich jedoch in Grundsätzen auch auf Hunde (und andere Tiere) übertragen. Dabei geht es um die Steigerung der Selbstwirksamkeit durch Verbesserung von Körperwahrnehmung und –beweglichkeit.

Bei der Therapie traumatisierter Hunde geht es vor allem um drei Grundsätze: Sicherheit durch Trigger-Management, Individualität und die Phasen der Therapie.

Sicherheit durch Trigger-Management und Individualität beim Hund

Intrusionen und Flashbacks haben retraumatisierende Wirkung. Außerdem können sie für andere gefährlich sein und sollten deswegen vermieden werden. Wenn Sie mit einem traumatisierten Hund arbeiten, ist es von großer Wichtigkeit, aufzuschreiben, was Sie über die Trigger wissen oder vermuten:

  • Machen Sie eine Liste der bisher beobachteten Situationen.
  • Ist die ursprünglich traumatisierende Situation bekannt? Vielleicht lassen sich von ihr mögliche Trigger ableiten. Nach einem Autounfall beispielsweise könnten Abgasgeruch, Motorenlärm, der Ort des Unfalls oder ein bestimmter Untergrund von Bedeutung sein.
  • Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Hundegruppe erlaubt Vermutungen (Auslandshunde könnten einen schwierigen Transport hinter sich haben, „Gebrauchshunderassen“ ein grausames Training, Zwerghunde haben eventuell als Spielzeug gedient usw.)

Alle Situationen dieser Liste müssen vermieden oder besonders gut beaufsichtigt werden!

Der Prozess der Traumatisierung und die Verhaltensauffälligkeiten, die ein Hund zeigt, sind individuell stark unterschiedlich. Daher ist kein Standardprogramm anwendbar. Es muss in hohem Maße individualisiert mit den Problemen, aber vor allem mit den Stärken gearbeitet werden, die der Hund mitbringt. (siehe auch Kelley 2011)

Phasen der Trauma-Therapie beim Hund- Stabilisierung

Jede Traumatherapie beginnt mit Stabilisierung. Dazu gehören: Herstellung von Sicherheit, Entwicklung fester Strukturen und Aufbau einer belastbaren Beziehung.

1Herstellung von Sicherheit: Zunächst muss für den Hund, Menschen und andere Tiere in seiner Nähe Sicherheit hergestellt werden (siehe Trigger-Management). Damit das Stress-System des Hundes sich erholen kann, muss er sich außerdem sicher fühlen. Neben dem Trigger-Management sollten dazu grundlegende Bedürfnisse (z.B. Schlafen, ein Rückzugsort, Trinken, Fressen, Sich-Lösen) befriedigt werden. Der Hund darf keine weiteren unangenehmen Situationen (z.B. Reiz-Überflutung auf dem Hundeplatz, bei Tierarztbesuchen oder aversive Erziehung) oder stark stimulierende positive Ereignisse (z.B. übermäßiges Spiel, Training mit hoher Motivationslage) erleben.

Ein vertrauter Rückzugsort schafft Sicherheit.Ein vertrauter Rückzugsort schafft Sicherheit. (© filmbildfabrik - stock.adobe.com)

2Entwicklung fester Strukturen: Vorhersehbarkeit bedeutet Sicherheit. Wenn der Hund weiß, was auf ihn zu kommt, kann er sich sicher fühlen. Daher muss der Tagesablauf so gleichmäßig wie möglich sein. Auch Vorgänge, die dem Hund wichtig sind (beispielsweise Aufbruch nach draußen, Futtervorbereitung) und die Interaktion mit dem Menschen (Annäherung, Berührungen aller Art, Aufforderungen) sollten immer auf die gleiche Weise ablaufen.

3Aufbau einer belastbaren Beziehung: Bei sozialen Lebewesen wirkt die Anwesenheit einer Bezugsperson angstmindernd, unter anderem durch die Freisetzung von Oxytocin (Uvnäs-Moberg 2016). Dieser Effekt von „Geborgenheit“ kann stark sein! Meiner Erfahrung nach spielen dabei folgende Aspekte eine wichtige Rolle:

  • Verständlichkeit und Vorhersehbarkeit
  • Nutzung der Stimmung
  • Angebot von Nähe
Alle Hundehalter sollten lebenslang immer wieder überprüfen, ob ihr Hund sie verstehen kann. Was nimmt er wahr und wie deutet er es, wenn ich ihn streichele, ihm eine Zecke entfernen will, oder wenn ich ihn lobe? Traumatisierte Hunde neigen dazu, soziale Situationen negativ zu bewerten. Bei ihnen ist es besonders wichtig, verständlich und vorhersehbar zu sein.

Halter von schwierigen Hunden machen sich oft Sorgen um ihren Hund. Das kann hörbar oder sichtbar werden: Stimme, Gesicht und Körper können Sorge oder Warnung vermitteln. Hunde nehmen diese „alarmierte Stimmung“ wahr und reagieren darauf. Andererseits kann es außerordentlich effektiv sein, entspannt und sicher aufzutreten, und eine freundliche, gelassene Stimme zu benutzen. Freundliche Nähe, Anschauen und Berührungen vermitteln Geborgenheit und Sicherheit -– auch zwischen Hund und Mensch. Diese Nähe ist allerdings nur dann nutzbar, wenn der Hund sie gern erträgt.

Phasen der Trauma-Therapie beim Hund - Innere Ressourcen fördern

Hier geht es vor allem darum, den Glauben des Hundes an die eigenen Fähigkeiten (Selbstwirksamkeit) zu steigern. Ziele dabei sind die Steigerung von: Neugierde, Verhaltensvielfalt und Selbstregulation. Dabei muss vor allem Folgendes beachtet werden: Der Hund darf „Nein“ sagen – oder einen eigenen Weg wählen. Schlägt der Mensch dem Hund zum Beispiel vor, durch tiefes Laub zu gehen – dann darf der Hund dies verweigern oder einen Umweg um das tiefe Laub gehen. Der Hund wird nicht gezwungen oder überredet.

Schon ein leichtes Blickabwenden oder Kopfwegdrehen kann ein “Nein” signalisieren.Schon ein leichtes Blickabwenden oder Kopfwegdrehen kann ein “Nein” signalisieren. (© Chalabala - istock.com)

Jede Übung wird nur einmal durchgeführt. Denn bei jeder Herausforderung wird der Ablauf „Aufregen – Bewältigen – Abregen“ eingeübt. Traumatisierte Hunde brauchen dann Zeit zum „Abkühlen“, weil ihre physiologischen Entspannungs-Prozesse weniger effektiv verlaufen. Außerdem gilt: Der Eindruck „Das habe ich erfolgreich bewältigt!“ wird stärker, wenn der Hund eine Situation tatsächlich hinter sich lässt. Muss er die Aufgabe wiederholen, wird dieser Bewältigungseffekt schwächer.

1Steigerung von Neugierde: Neugierde ist die Bereitschaft zu erkunden und auszuprobieren. Sie kann im Alltag eingefangen oder vorsichtig hervorgerufen werden. Eine leere Tüte am Wegrand, ein geparktes Auto oder die Urinstelle eines anderen Hundes könnten interessant sein. Erkundet der Hund selbstständig, wird dies durch Lob und das Interesse der Bezugsperson verstärkt. Neben dem Erkunden können manche Dinge auch beklettert oder auf andere Weise bewältigt werden. Gegenstände können auch zuhause entdeckt werden, wenn der Halter sie mit in die Wohnung oder den Garten bringt. Halten Sie dabei Ausschau nach positivem Interesse. Am besten ist eine entspannte oder sogar freudig interessierte Neugierde.

2Steigerung der Verhaltensvielfalt: Ganz ähnliche Ideen stecken hinter der Förderung von Verhaltensvielfalt. Angespannte Hunde verhalten sich oft gleichförmig. Sie bewegen sich mit denselben Bewegungen fort, sie fressen auf die gleiche Weise, und interagieren mit Hunden und Menschen mit den immer gleichen Signalen. Wenn Hunde nach und nach sicherer werden, dann wird ihr Verhalten oft von selbst vielfältiger. Achten Sie darauf, dass solche neuen Ideen erfolgreich sind! Sie können dies fördern, indem Sie neue Verhaltensweisen erlauben und unterstützen (siehe Sierra und Sigurbjornson 2020). Wenn Sie mögen, können Sie solche Veränderungen hervorrufen, indem sie neue Situationen anbieten (zum Beispiel Hindernisse in der Umgebung, neue Futterbehältnisse oder verschiedene harte, weiche oder flüssige Futterarten).

3Steigerung von Selbstregulation: Eine ganze Reihe von Maßnahmen unterstützen die Selbstregulation. Ein ausgeglichenes und leistungsfähiges Stress-System kann sich selbst regulieren. Daher ist ein sorgfältiges Stress-Management die Voraussetzung für Selbstregulation! Wenn der Hund nach einmaliger Ausführung einer Übung „abkühlt“ (siehe oben), dann passiert Selbstregulation. Der Hund erlebt, dass er sich selbst entspannen kann. (Fast) alle Hunde entspannen sich im Alltag ab und zu. Zuhause verlangsamen sie, legen sich hin, ruhen oder schlafen ein. Auf dem Spaziergang zeigt der Wechsel von Fern-Orientierung (nach Bedrohungen Ausschau halten) zu Nah-Orientierung (Schnupper-Stelle, Bezugsperson) an, dass der Hund sich entspannt. Solche Momente der Selbstregulation sollten gefördert werden (zum Beispiel durch Loben).

Weitere Techniken zur Steigerung der Selbstwirksamkeit
Bei der Nasenarbeit kann der Hund Erfolg erleben. Außerdem bewegt er sich bei einer Suche auf funktionelle Weise. Damit ist gemeint: Seine Bewegungen haben einen Sinn (das Finden des Geruches). Bei funktionellen Bewegungen arbeiten Muskeln, Gelenke und Sinne aus dem ganzen Körper zusammen, so dass der Hund die Leistungsfähigkeit seines Körpers stark erlebt. Bauen Sie bei Suchaufgaben abwechslungsreiches Gelände oder Hindernisse ein!

Phasen der Trauma-Therapie beim Hund- Konfrontationsübungen

Oft haben traumatisierte Hunde mehrere Phobien. Manche reagieren zum Beispiel auf Geräusche, fremde Menschen, bestimmte Gegenstände und alles, was neu ist. Es kann sein, dass Phobien verschwinden, wenn der Hund stabiler wird. Dann kann z.B. Geräuschempfindlichkeit von selbst weniger werden. Die Desensibilisierung passiert mit normalen Alltagsgeräuschen, ohne gezieltes Training.

Hündin Chara wird vorsichtig an den neuen Reiz “Einkaufswagen” herangeführt.Hündin Chara wird vorsichtig an den neuen Reiz “Einkaufswagen” herangeführt. (© Patricia Lösche)

An anderen Triggern muss jedoch gearbeitet werden. Dazu werden dieselben Techniken angewendet, wie bei der Therapie von einfachen Phobien.

Bei PTBS-Hunden muss auf folgende Aspekte geachtet werden:

  • Trainingsfähigkeit: Überlegen Sie, ob der Hund schon belastbar genug ist, um mit Konfrontationsübungen zu beginnen. Ist der Hund noch übererregt? Oder ist er noch nicht bereit, gerne mit dem Menschen zu arbeiten? Dann machen solche Übungen noch keinen Sinn.
  • Sicherheit: Auch bei guter Planung können Konfrontationsübungen zu Intrusionen oder Flash-Backs führen. Denn es ist unmöglich, alle potentiellen Trigger zu kennen. Hat der Hund auf einen Trigger mit Aggression oder intensiver Flucht reagiert? Dann müssen Sie Maßnahmen treffen, um den Hund und andere Lebewesen zu schützen (z.B. durch Leinen, Maulkorb, Zaun).
  • Nur eine Übung: Es ist bereits erklärt worden, warum eine Übung nur einmal ausgeführt wird. Dieses Prinzip gilt ganz besonders für Konfrontationsübungen.
  • Neinsagen erlauben und trainieren: Womit teilt der Hund mit, dass er etwas nicht möchte? Viele Hunde wenden die Augen oder den Kopf ab, oder versuchen die Situation zu verlassen. Andere frieren ein. Überlegen Sie vor den Konfrontationsübungen mit einem Hund, auf welche Weise er „Nein“ sagen würde. Bei manchen Hunden kann dies vorsichtig getestet werden. Dazu bietet der Mensch eine Interaktion an (z.B. Anschauen, Sprechen oder sogar Streicheln) und wartet auf ein abwendendes oder ablehnendes Signal des Vierbeiners. Dieses Anzeichen wird dann mit gelassener (!) Distanzvergrößerung beantwortet. Wenn Sie dem Hund eine Konfrontationsübung anbieten, halten Sie Ausschau nach solchen „Nein“-Signalen. Beantworten Sie diese mit Beenden der Übung. Eine besonders interessante Technik zu Signalen von „ja“ und „nein“ bei medizinischen Maßnahmen beschreiben Oblasser-Mirtl und Glatz (2016).
  • Handlungsfähigkeit erlauben und trainieren: Während eines Traumas ist der Hund nicht in der Lage, sich durch das eigene Tun zu retten. Deswegen ist es sehr hilfreich, ihn bei Konfrontationsübungen aktiv werden zu lassen! Schon das Berücksichtigen von „Nein“-Signalen gibt dem Hund Handlungsmöglichkeiten. Zusätzlich kann der Hund gezielt gelehrt werden, Verhaltensweisen auszuführen, die ihm Erleichterung verschaffen. Dazu wird ihm der geplante Reiz präsentiert – und dann wird der Hund zu einer Reaktion aufgefordert. Das könnte beispielsweise sein:
  • Weggehen (z.B. Stewart 2016)
  • Bezugsperson anschauen
  • Hinter die Bezugsperson gehen
  • Rückzugsort aufsuchen
  • Ein Spielzeug nehmen
Mit viel Training, Geduld und Leckerlis ist Chara in der Lage, neue Situationen zu meistern.Mit viel Training, Geduld und Leckerlis ist Chara in der Lage, neue Situationen zu meistern. (© Patricia Lösche)

Der Einsatz von Medikamenten und die Prognose

Der Erholungsprozess eines traumatisierten Hundes kann von einer geschulten Fachperson durch Nahrungsergänzungsmittel, naturheilkundliche oder schulmedizinische Medikamente unterstützt werden. In schweren Fällen ist eine solche Gabe sehr häufig notwendig.

Tierschützer und Trainer erleben immer wieder, dass auch schwer misshandelte oder anders traumatisierte Hunde sich erholen. Das ist jedoch nicht immer möglich. Geht von einem Hund erhebliche Gefahr aus, weil er bei Intrusionen oder Flash-Backs mit heftiger Aggression reagiert, dann muss er so gehalten werden, dass weder Mensch noch Tiere in Gefahr sind. Ist das nicht möglich, dann kann Einschläfern sinnvoll sein.

Außerdem können sich manche Hunde nicht an den Täter (in vielen Fällen der Halter des Hundes oder etwa ein bestimmter Tierarzt) oder den Ort (z.B. das aktuelle Zuhause, die Tierarztpraxis oder ein Trainingsgelände) der Traumatisierung gewöhnen. Dann sollten diese Personen und Orte gemieden werden. Deswegen kann bei schwerer Traumatisierung eine Umplatzierung des Hundes sinnvoll sein.

In jedem Fall brauchen traumatisierte Hunde Zeit, um sich aus dem traumatisierten Zustand heraus zu entwickeln. Dieser Prozess kann durch Stabilisierung, Ressourcenförderung und – eventuell – vorsichtige Konfrontationsübungen unterstützt werden.

Die ganze Geschichte von Chara auf den Fotos im Artikel finden Sie hier.

Quellen:

Alupo, C. (2017) Canine PTSD, Magisterarbeit, Skara 2017

Broach, D. (2018) Military Working Dogs: Understanding Canine Post-Traumatic Stress Disorder, petmd.com

College of (2010) PTSD in Dogs, Veterinary Medicine & Biomedical Science, Texas

Dao, James (2011) After Duty, Dogs Suffer Like Soldiers, nytimes.com

Dodman, N. (2016) Psychological trauma can have far reaching effects in dogs, Psychology Today, Oktober 2016

Drobny, S (2016) Inside the Mind of a Traumatized Dog, Miller, L. Capstone Research Paper, Ohio State University

Foote, S.J. 2017 The Hidden Wounds of Our Canine Veterans, Aus: https://drsophiayin.com

Hense, M. (2014) Perspektivwechsel, Sondermann,C. Cadmos Verlag

Huber, M. ( 2003) Wege der Traumabehandlung, Junfermann Verlag

Huntingford, J. (2013) Post Traumatic Stress Disorder in Dogs, http://ivcjournal.com

Kelley L.C: (2011) Dogs Can Help War Veterans Get Over Their PTSD, Can Play Help Dogs Do the Same thing? PsychologyToday.com

Oblasser-Mirtl, A. (2016) Medical Training für Hunde, Glatz, B. Cadmos Verlag

O´Heare (2018) Empowerment Training, Behav Tech Publishing

Perry (2014) Der Junge, der wie ein Hund gehalten wurde, Kösel Verlag

Reddemann, L. (2007) Trauma , Trias Verlag 2007, Dehner-Rau, C.

Rosa, K. (2016) Battling Canine Post-Traumatic Stress Disorder, American Veterinarian

Sierra, K., (2020) https://www.intrinzen.horse/Sigurbjornsson, S.

Steward, Gr. (2016) Behaviour Adjustment Training 2.0, Dogwise Training Manual

Uvnäs-Moberg (2016) Oxytocin, das Hormon der Nähe, Springer Spektrum

Van der Kolk (2019) Verkörperter Schrecken, Probst Verlag

Maria Hense

Die Tierärztin Maria Hense erwarb ihr umfangreiches Wissen über Hunde durch Beobachtungen an Wölfen, Pudelwölfen und Hunden. Zahlreiche Fortbildungen über Ethologie, Haltung und Verhalten von Haustieren sowie Verhaltenstherapie folgten. Dieses Wissen vermittelt sie in ihrer verhaltenstherapeutischen Tierarztpraxis und als Hundetrainerin. 
Ihre Ziele: psychisch gesunde, alltagstaugliche Hunde, zufriedene Besitzer und artgerechte Beschäftigung des Hundes. Dabei setzt sie auf Problemlösungen, die Hund und Mensch nicht unter Druck setzen und ohne Zwangsmittel auskommen. 
2010 erschien ihr Buch „Der hyperaktive Hund“. 
Zusammen mit Christina Sondermann verfasste sie die Bücher "Spiele für die Hundestunde" (2007) und "Perspektivwechsel" (2014). 
Maria Hense hält Seminare für Hundebesitzer, Trainer sowie Verhaltenstherapeuten und ist seit vielen Jahren als Dozentin, Autorin und Tutorin für die ATN tätig.

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