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Sonnenbrand beim Pferd

Sonnenbrand beim Pferd Pattricia Lösche Sonnenbrand beim Pferd

Sonnenbrand ist für Pferde ebenso unangenehm, schmerzhaft und hautschädigend, wie für uns Menschen. Und ist es richtig schlimm, dann fühlen sie sich sicher ebenso elend damit, wie wir. Angesichts von Hitzesommern und Klimawandel wird es für Pferdebesitzer zunehmend wichtiger, sich mit dem Thema Sonnenschutz beim Pferd zu beschäftigen.

Helle Pferdehaut erhöht das Sonnenbrand-Risiko

Verursacht wird Sonnenbrand (Dermatitis solaris) durch die kurzwelligen, energiereichen UVB-Strahlen im Sonnenlicht. Ist ihnen die Haut länger ausgesetzt, als sie verträgt, entzündet sie sich, Hautgewebe wird zerstört und das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs steigt.

Ebenso wie hellhäutige Menschen trifft es vor allem hellhäutige Pferde. Wobei „hell“ in diesem Zusammenhang nicht die Fellbarbe meint, sondern sich auf die Pigmentierung der Haut bezieht. Je mehr Pigmente, desto dunkler ist sie, und die dunkle Haut echter Schimmel ist ebenso sonnenverträglich, wie die von Rappen. Unter weißen Abzeichen ist sie dagegen grundsätzlich hell, auch dann, wenn beim Schimmel die dunkle Fohlenfarbe dem weißen Fell gewichen ist. Es fällt nur nicht mehr auf.

Die größte Gefahr eines Sonnenbrandes besteht für das Pferd dort, wo die Sonne senkrecht auf kaum mit Fell bedeckte Haut trifft:

  • im Bereich der Nüstern
  • auf der Stirn
  • um die Augen herum
  • am Kronrand
  • in den Fesselbeugen

Besonders empfindlich sind außerdem kahl gescheuerte helle Hautpartien bei Ekzemern, fellfreie, helle Narben oder Kahlstellen anderer Ursache. An zweiter Stelle stehen zwar helle, aber stärker behaarte Hautpartien auf dem Rücken, der Kruppe, an den Ohren und Beinen.

Dunkle Haut schützt auch bei Schimmeln vor Sonnenbrand. Dunkle Haut schützt auch bei Schimmeln vor Sonnenbrand. (© Patricia Lösche)

Anfällig für Sonnenbrand: Pferde in hellen Modefarben

Warum ist dunkle Haut weniger empfindlich für Sonnenbrand? Der Sonne ausgesetzt ist die Oberhaut (Epidermis), der Teil der Haut, den wir sehen. Sie ist in sich noch einmal geschichtet und in einer dieser Schichten produzieren spezielle Zellen (Melanozyten) das Pigment Melanin. Es ist verantwortlich für die Hautfarbe, gleichzeitig absorbiert es schädliche Anteile des Sonnenlichts und verhindert dadurch Schäden tiefer liegender Hautschichten, die sonst zu einer Entartung von Hautzellen und damit zur Bildung von Tumoren führen können.

Je weniger Melanin, desto heller die Haut, je heller die Haut, desto schneller verbrennt sie. Tipp: Pflanzen Sie Bäume und Sträucher auf die Koppel. Sie bereichern nicht nur den Speiseplan, sie bieten später auch schattige Plätzchen für einen natürlichen Sonnenschutz.

Hat das Pferd eine helle Haut unter dem hellen Fell oder an wenig behaarten Stellen, dann gibt es dort entweder zu wenige oder keine Melanozyten, oder die vorhandenen Melanozyten sind nicht oder nur eingeschränkt funktionsfähig. Die Bildung von Melanin - normalerweise angeregt durch das Sonnenlicht – erfolgt dadurch mehr oder weniger stark eingeschränkt oder überhaupt nicht.

Cremellos haben eine helle Haut und sind anfällig für Sonnenbrand.Cremellos haben eine helle Haut und sind anfällig für Sonnenbrand. (© Patricia Lösche)

Echten Albinos fehlen die Farbpigmente ganz, aber dieser vollständige Mangel ist selten. Bei den zunehmend beliebten hellen Modefarben wie Cremello, Perlino, Smokey Cream und Weißisabell produziert die Haut eingeschränkt Farbpigmente, aber im Gegensatz zu Schimmeln werden diese Pferde mit heller Haut und hellem Fell geboren, und auch Schecken haben unter den weißen Fellpartien eine helle Haut.

Manche Pflanzen erhöhen das Sonnenbrandrisiko beim Pferd

Für Pferde als Pflanzenfresser kommen weitere Risikofaktoren hinzu. Luzerne (Alfalfa), Buchweizen oder Johanniskraut enthalten Stoffe, die die Haut lichtempfindlicher (photosensibler) machen können. Den meisten Pferden macht das nichts aus. Aber bei empfindlichen Pferden können sie die Photosensibilität der Haut und dadurch die Neigung zum Sonnenbrand erhöhen. Das kann zu einer primären Photodermatitis führen (physikalisch-toxische Photodermatitis), die in schweren Fällen dann sogar dunkel pigmentierte Areale betrifft. Dermatitis (auch Dermatose) ist die medizinische Bezeichnung für Hauterkrankung, und eine Photodermatitis ist eine durch Licht ausgelöste Hauterkrankung.

Die sekundäre Photodermatitis (hepatogene oder metabolische Photodermatitis) hängt ebenfalls mit pflanzlichen Inhaltsstoffen zusammen. Betroffene Pferde können ein Abbauprodukt des Chlorophylls nicht wie üblich in der Leber abbauen. Für einen Pflanzenfresser ist das fatal, denn Chlorophyll ist der Stoff, der Pflanzen die grüne Farbe verleiht. Bei einer sekundären Photodermatitis reichert es sich in der Haut an und sorgt dort für eine erhöhte Neigung zum Sonnenbrand. Bei Pferden, deren Haut ungewöhnlich schnell verbrennt, kann ein Leberscreening abklären, ob diese Stoffwechselstörung vorliegt. Was außerdem zu berücksichtigen ist:

  • Manche Sprays und Medikamente erhöhen die Empfindlichkeit der Haut für einen Sonnenbrand.
  • Beschränkt sich der Hautschaden auf die Beine, kommen auch Umgebungsgifte (z.B. Spritzmittel) als Auslöser für die erhöhte Photosensibilität der Haut an diesen Stellen in Betracht.

Sonnenbrand beim Pferd erkennen

Jedes Pferd reagiert unterschiedlich schnell auf die schädigende Wirkung von Sonnenstrahlen. Diese Karenzzeit wird als Eigenschutz bezeichnet. Endet er, beginnt sich die Haut zu röten. Gravierende Sonnenbrände (Grade2 und 3) brauchen eine sachgemäße therapeutische Versorgung.

Klassifizierung von Sonnenbränden
Grad 1: Leichter Sonnenbrand mit leichter Rötung der Haut und Schmerzhaftigkeit
Grad 2: Starker Sonnenbrand mit starker Rötung, Blasenbildung, Möglichkeit der Entzündung durch Bakterien, große Schmerzhaftigkeit
Grad 3: Schwerer Sonnenbrand mit großflächiger Zerstörung und Ablösung der Haut, eventuell massive Entzündungsreaktion mit bakterieller Sekundärinfektion und Fieber. Große Schmerzhaftigkeit.

Sonnenbrand ersten Grades bei beiden Pferden erkennbar Sonnenbrand ersten Grades bei beiden Pferden erkennbar (© Patricia Lösche)

Was tun bei Sonnenbrand

In jedem Fall muss bis zum abheilen Linderung verschafft werden. Erste Maßnahme: Das Pferd aus der Sonne holen und die geröteten Stellen mit feuchten Tüchern oder sauberem, kaltem Wasser (kein Eis oder Kühlakku) kühlen. Der Wasserbedarf des Pferdes steigt. Verbrennungen der Nase erschweren dem Pferd aber unter Umständen die Bedienung üblicher Selbsttränken, und zum Sonnenbrand gesellt sich dann schnell ein Wassermangel. Tränken aus dem Wassereimer oder -kübel ist deshalb bis zum Abklingen der Schmerzhaftigkeit besser geeignet.

Harte Stängel von Heu und Stroh sind für ein Pferd mit Sonnenbrand auf der Nase unangenehm. Im Akutfall hilft es dem Pferd, grobes Heu durch eine weichere Qualität oder eingeweichte Heucobs zu ersetzen und auf die Fütterung von Stroh zu verzichten, damit die verbrannte Haut der Nase sich beruhigen kann und nicht noch zusätzlich gereizt wird. Sind die Beine betroffen, nässen aber nicht, kann piksende Stroheinstreu bis zum Abheilen eventuell besser gegen weiche Späne ausgetauscht werden.

Fütterung und Pflege von Pferden mit Sonnenbrand

Pflanzen, die die Photosensibilität erhöhen können (siehe oben), gehören jetzt besser nicht mehr auf den Speiseplan. Luzerne, auch als Alfalfa bekannt, ist ein beliebtes Futtermittel und in vielen Mischfuttern enthalten. Sind die Schmerzen groß und der Sonnenbrand begleitet von Fieber, vergeht dem Pferd unter Umständen ohnehin der Appetit. Dahinter kann aber auch ein Sonnenstich oder Hitzschlag stecken, der sich unter anderem durch Kreislaufprobleme bemerkbar macht und tierärztlicher Behandlung bedarf.

Luzerne  (Medicago sativa), auch als Alfalfa bekannt, kann die Haut anfälliger für Sonnenbrand machenLuzerne (Medicago sativa) kann die Haut anfälliger für Sonnenbrand machen (© WikimediaImages - Pixabay)

Zur Pflege geschädigter Haut eignen sich fettfreie, feuchtigkeitsspendende Cremes, am besten panthenolhaltig, weil Panthenol Feuchtigkeit bindet. Die Heilung und Immunstabilisierung, auch die Rekonvaleszenz nach einem Hitzschlag oder Sonnenstich lässt sich außerdem naturheilkundlich sehr gut unterstützen und beschleunigen. Dazu sollte ein kompetenter Tierheilpraktiker herangezogen werden. Es dauert mindestens vier Wochen, bis sich die verbrannte Haut erholt und erneuert hat. Solange gilt: Sonnenlicht meiden und den Schutz erhöhen.

Wiederholte Sonnenbrände führen zu einer Verdickung der Haut und zu dauerhaften Hautschäden bis hin zur Tumorbildung. Die Hautveränderungen sind bei dem Knabstrupper auf dem Titelfoto gut zu erkennen.

Sonnenbrand beim Pferd verhindern

Die Intensität der schädlichen Strahlung variiert je nach Jahres- und Tageszeit, Aufenthaltsort und Umgebungsstruktur. Mittags kann die Strahlung beispielsweise 150fach stärker sein als frühmorgens, und ein bewölkter Himmel ist leider kein zuverlässiger Schutz vor Sonnenbrand. Er kann sich manchmal sogar schneller einstellen als bei strahlend blauem Himmel. Eine mögliche Management-Maßnahme kann sein, das Pferd nur abends und nachts auf die Weide zu lassen. Generell gilt: Am höchsten ist das Sonnenbrandrisiko für Pferd und Reiter

  • mittags
  • in Höhenlagen
  • dort, wo Oberflächen wie Schnee, Sandstrand oder Wasserflächen die Strahlung reflektieren.
Auf schattenlosen Weideflächen sind Pferde ganztägig ungeschützt der Sonne ausgesetzt.Auf schattenlosen Weideflächen sind Pferde ganztägig ungeschützt der Sonne ausgesetzt. (© Patricia Lösche)

Mittlerweile gibt es für Pferde Schutzmasken, die vor UV-Strahlung schützen. Damit lassen sich Nase und Augenumgebung als besonders exponierte Bereiche gut abdecken. Vor Sonnenbrand auf Rücken und Kruppe schützt eine leichte, luftdurchlässige Sommerdecke, auch diese am besten mit UV-Schutz. Der empfindliche Fesselbereich lässt sich durch Hufglocken mit Fellrand weich abdecken.

Wer zusätzlich noch möglichst fettfreie Sonnenschutzlotion auf die gefährdeten Stellen aufträgt hat auch ein empfindliches Pferd gut geschützt. Inzwischen bieten einige Hersteller Lotions speziell für Pferde an. Aber gegen Produkte aus dem Drogeriemarkt ist ebenfalls nichts einzuwenden.

Welcher Lichtschutzfaktor ist richtig

Der notwendige Lichtschutzfaktor (LSF) errechnet sich aus dem Eigenschutz der Haut und der jeweiligen Weidedauer. Verträgt die ungeschützte Haut 30 Minuten Sonne, ohne zu verbrennen, ergibt sich daraus bei LSF15 eine Schutzzeit von 15 x 30 Minuten = 450 Minuten, also 7,5 Stunden. LSF30 entspricht einer Schutzzeit von 900 Minuten = 15 Stunden. Zu bedenken ist, dass ein höherer LSF auch eine größere chemische Belastung bedingt. Steht unser Beispielpferd nicht länger als sieben Stunden auf der Koppel, reicht LSF15. Damit werden bereits 93,3 Prozent der schädlichen UVB-Strahlen herausgefiltert. Bei LSF30 sind es nur 3,4 Prozent mehr (96,7 Prozent), also kein wesentlicher Unterschied in der Filterfunktion, weil die Filterfunktion nicht kontinuierlich mit dem LSF ansteigt. Ab LSF 15 ist der Zugewinn an absoluter Filterfunktion nur noch gering. Beträgt der Eigenschutz allerdings nur zehn Minuten, wird bei gleicher Weidezeit ein höherer LSF benötigt.

Mehr über die naturheilkundlichen Studiengänge an der ATM erfahren Sie hier.

Quelle:

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0029-1237586.pdf https://vetline.de/formen_sonnenbrand_pferd/150/3252/67391 http://www.dermaviduals.de/deutsch/haut-fragen/frage---antwort/welchen-sonnenschutzfaktor-spf-benoetigt-meine-haut.html

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. Seit 2014 schreibt sie für ATM und ATN Blogbeiträge, ist Autorin von Skripten und betreut als Tutorin die Studierende unterschiedlicher Fachbereiche. In die Wissensvermittlung fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und 1.Vorsitzende im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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