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Pferdeweide: Gesunde Gehölze für Pferde

Pferdeweide: Gesunde Gehölze für Pferde - Weißdorn gehört dazu Patricia Lösche Pferdeweide: Gesunde Gehölze für Pferde - Weißdorn gehört dazu

Pferdeweiden mit sattgrünem Gras, gleichmäßiges Rupfen als Soundtrack und das schöne Gefühl, Pferden ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Das wünschen sich viele Reiter. Pferde wünschen sich mehr. Ihnen steht der Sinn nach Rinde und Zweigen, Knospen und Blättern, Blüten und Früchten von Bäumen und Sträuchern. Sie sind Schattenspender, Wetterschutz und Futter gleichzeitig. Außerdem eine willkommene Abwechslung zum Zeitvertreib. Vorausgesetzt, sie eignen sich für Pferde. Lesen Sie im ersten Teil des Artikels, warum Gehölze für Pferde so gesund sind.

Wie wichtig und gesund Weidegang und gutes Gras für Pferde sind, steht außer Frage. Aber auch Blätter, Rinde, Wildfrüchte und Zweige stehen bei Pferden hoch im Kurs. Der Pflanzenfresser Pferd kann sie gut verarbeiten. Sie enthalten vieles, was Pferd braucht:

  • Mineralstoffe
  • Spurenelemente
  • Vitamine
  • medizinisch wirksame Inhaltsstoffe

Pferdeweide - Wildgehölze als gesunde Ergänzung zum Weidegras

Pferdekoppeln bestehen heute überwiegend aus Grünland, auf dem kein Pferdegras wächst, sondern Hochleistungsgräser, gedacht für Turbokühe der Milchindustrie und für Pferde wenig geeignet. Stallbetreiber sparen sich häufig das teurere Saatgut für die Pferdeweide. Und Pferde reagieren auf das eiweißreiche Rindergras oft mit Vedauungsstörungen wie Kotwasser. Bei empfindlichen Tieren können Hufreheschübe und andere Krankheiten ausgelöst werden. Kräuter und Sträucher sind auf diesen Pferdekoppeln nicht zu finden, Nahrung, die dem Pferd gerade dann gut tun würde.

Äste, Blätter, Baumrinde gehören wie holzige Kräuter zum natürlichen Speiseplan von Pferden. Geboten bekommen sie sie in der modernen Pferdehaltung aber nur noch selten. Selbst das Heu ist häufig nicht mehr reich an grob strukturierten Inhalten, sondern oft feinblättrig und weich. Ganz zu schweigen von der „vorverdauten“ Silage oder Heulage, die in vielen Ställen verfüttert wird.

Ausritt mit Snack-Pause

Wer gerne ausreitet, hätte die Chance, seinem Pferd hier und da einen Blätter-Äste-Rinde-Snack als Ergänzung zur heimatlichen Pferdeweide zu gönnen. Oder eine kleine Zwischenmahlzeit entlang eines Waldweges, wo kein Gift gespritzt wird und Gräser mit ganz anderen Inhaltsstoffen wachsen. Aber die meisten Pferdehalter sind unsicher und wissen nicht, was Pferd darf und was nicht. Jedes Knuspern an unbekanntem Gewächs steht deshalb bei ihnen schnell in Generalverdacht, schädlich oder gar giftig zu sein und wird rigoros unterbunden. Dabei sorgen viele Pflanzen eher für ein Freudenfest im Verdauungstrakt.

Und so grasen Pferde auf baum- und strauchlosen Pferdeweiden mit Einheitsgras und in Futterkammern stehen säckeweise industriell aufbereitete Nahrungsergänzungen und Mineralmischungen, während vor der Tür die leckersten und gesündesten Pflanzen wachsen könnten. Das ist, als würden wir täglich Spaghetti mit Tomatenketchup essen und alle wichtigen Nährstoffe nur noch als Pillen zu uns nehmen. Die Futtermittelhersteller freut es, den Pferdedarm eher nicht. Denn Pflanzen sind viel mehr als die Summe ihrer von Futtermittel-Herstellern verwendeten einzelnen Nährstoffe. So wie Pillen beim Menschen niemals eine gesunde Ernährung ersetzen können. Ketzerisch ließe sich fragen: Wie haben Pferde nur überlebt, bevor ihr Essen in Säcke verpackt wurde?

Für Pferdeweide und Reitplatz: Wildhecken sind leicht zu pflanzen

Dabei ist es gar nicht so schwer, für natürliche Abwechslung im Pferde-Menü zu sorgen. Im Rahmen der jährlichen Weidepflege und beim Frühjahrsputz auf der Anlage lässt sie sich gut pflanzen, die passende Wildhecke entlang der Koppel, eine dekorative Reitplatz-Umrandung, eine blühende, Früchte tragende Wandbegrünung, die auf gesunde Art den Speiseplan ergänzt.

Knospen, Blätter und Früchte bieten ein ganzes Potpourri an Mineralstoffen, Spurenelementen und anderen Vitalstoffen. So eine appetitliche Pferdehecke sollte darum nicht nur grün sein, sondern im Frühling reich blühen und im Herbst entsprechend Früchte tragen.

Jenseits der Inhaltsstoffe putzen knubbelige Zweige die Zähne und glätten deren Kauflächen auf natürliche Weise. Als Schnittgut auf der Pferdekoppel verteilt laden Äste ein zu Beschäftigung und Spielverhalten. Mit dem Kumpel gemeinsam an einem Ast zu zutzeln vertieft soziale Bindungen. Pferde, die dazu Gelegenheit haben, können ihr Bedürfnis nach dieser Art von Beschäftigung befriedigen. Sie vergreifen sich nur selten am teuren Holzzaun oder am Balkenwerk der Ställe. Denn das Benagen von Holz ist ein natürliches Verhalten, keine Unart.

Wildhecken sind zudem dekorativ, fördern den Artenreichtum, bieten Vögeln und Insekten Nahrung und Unterschlupf, sind also auch ein Beitrag zum Naturschutz.

Passende Standorte für pferdetaugliche Wildhecken

Wer will, findet überall einen Platz für die natürliche Futter-Ergänzung:

  • Entlang von Pferdekoppeln
  • Als Umrandung am Reitplatz
  • Zur Beschattung von Hallen- und Stallwänden
  • Als Zwischenbepflanzung von Leerräumen
  • Als „stille Reserve“ im eigenen Garten
  • Als „Schutzraum“ vor Sonne, Regen und Wind und Sonne auf der Koppel

Pferdeweide: Gesunde Gehölze für Pferde bieten Wetterschutz                    Foto: Patricia Lösche

 

Gehölze für Pferde - Beitrag zum Naturschutz

Eine für Pferde geeignete Wildhecke lässt sich problemlos anlegen. Das Frühjahr ist eine gute Zeit, um Pflanzen zu setzen. In Abhängigkeit von der Beschaffenheit des Bodens gibt es regionale Unterschiede in der Zusammensetzung. Natürliche Hecken und Knicks in der Umgebung können bei der Auswahl für den Standort geeigneter Pflanzen als Kompositions-Vorlage dienen. Beratung gibt es bei Landwirtschaftskammern. Wer den Naturschutz berücksichtigen möchte, kann bei Naturschutzorganisationen wie dem BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) Informationen bekommen, welche der möglichen Gehölze für den Standort besonders wertvoll sind.

Bei Gehölzen werden Pferde gern zu Gärtnern

Beim Einpflanzen ist auf genügend Abstand zwischen den Jungpflanzen, aber auch vom Zaun zu achten. Anfangs sieht das ziemlich mickrig und kahl aus. Aber das täuscht. Viele Wildgehölze sind sehr wuchsfreudig. Je mehr Platz sie für die Entwicklung haben, desto besser wachsen sie. Das Bild ändert sich also schnell. Schon nach drei bis vier Jahren kann ausgeschnitten und der Schnitt an die Pferde verfüttert werden. Das Einkürzen des Überhangs übernehmen Pferde gerne selbst. Darum sollten die Pflanzen vor Verbiss geschützt werden, bis sie alt genug sind, ihn zu verkraften.

Den Boden zu Füßen der Jungpflanzen bewahrt eine Decke aus Stroh und Laub vor dem Austrocknen. Darunter tummeln sich auch gerne Insekten und Bodenbewohner. Das verbessert und lockert den Boden. Feuchtigkeit kann dann gut eindringen. Der Gärtner nennt das Mulchen. Die Mulchdecke unterdrückt auch pflanzliche Konkurrenz in der direkten Umgebung und die Pflanzenkinder werden nicht so schnell überwuchert. Bis sie gut angewachsen sind, sollte der Boden, in dem sie wachsen, nicht austrocknen.

Der ungemulchte Zwischenraum füllt sich schnell mit Brennnessel, Hopfen, Beifuß und anderen Wildkräutern, die ebenfalls bestens als gesunder Pferdesnack geeignet sind. Brennnesseln müssen vor dem Füttern allerdings abgeschnitten werden und einen Tag anwelken, sonst werden sie verschmäht.

Bäume als Elemente der Gehölzhecke für Pferde bieten nicht nur Nahrung, sondern wenn sie größer sind, als Schattenspender auch Schutz vor heißer Sommersonne. Pappeln, Erlen, Birken und Weiden haben noch einen weiteren Nutzen. Was Pferdebesitzer ärgert, lieben sie: feuchte Standorte. Damit tragen sie zu deren Entwässerung bei. Das kommt Reitplätzen und Koppeln, aber auch Stallwänden sehr zu gute.

Viele Gehölze sind für Pferde eine wichtige Nahrungsergänzung. Sie können überall dort gepflanzt werden, wo sich ein freies Plätzchen findet, an Reitplätzen, Hallen, Ställen und auf leeren Flächen. Beim Anlegen auf genügend Abstand zwischen den Jungpflanzen achten und den Boden unter den Pflanzen mit Stroh und Laub bedecken. Nach dem Einpflanzen und bei Trockenheit vor allem im ersten Jahr ausreichend wässern und anfangs vor Verbiss schützen. Nach drei bis vier Jahren ist die Hecke „erntereif“.

Lesen Sie in der nächsten Folge, welche Bäume und Sträucher sich besonders gut eignen.

Patricia Lösche

Patricia Lösche ist freie Autorin, Text- und Bild-Journalistin. Der Dolmetscher-Ausbildung folgten Biologie- und Journalistik-Studium, freier und redaktioneller Journalismus für verschiedene große Verlage. Später dann die Ausbildung zur Tierheilpraktikerin an der ATM und die Tierpsychologie-Ausbildung an der ATN. Empathie, Achtung und Verständnis auf Augenhöhe im Umgang mit Tieren sind Patricia Lösche ein besonderes Anliegen. In die Wissensvermittlung als Fachjournalistin und als freie Mitarbeiterin der ATM und ATN fließen mehrjährige Praxis-Erfahrungen aus der naturheilkundlichen Behandlung von Pferden, Hunden und Katzen ebenso ein, wie die jahrzehntelange Erfahrung eigener Tierhaltung. Sie ist Mitglied im Fachverband niedergelassener Tierheilpraktiker (FNT) und im Berufsverband der Tierverhaltensberater und –trainer (VdTT).

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