Heu – Grundlagen der Pferdefütterung

Pferd kaut Heu
Foto: © Adobe Stock / anjajuli

Pferd und Heu gehören zusammen. Im Erhaltungsbedarf und bei mäßiger Belastung können die meisten gesunden Pferde ihren gesamten Energie- und Nährstoffbedarf über gutes Heu decken. Aber was macht Heu eigentlich so wertvoll für Pferde?  

Pferdeheu – Was muss es mitbringen?

Heu ist Grundfutter für Pferde. Aber wann ist Heu gutes Pferdeheu? Welche Funktion hat es für das Pferd, abgesehen von der reinen Nährstoffversorgung? Könnte man ein Pferd nicht auch mit Stroh, Möhren und Kraftfutter ernähren? Die Antwort ist: Nein, denn gutes Pferdeheu ist 

  • reich an Rohfaser 
  • befriedigt das Kaubedürfnis 
  • fördert den Speichelfluss 
  • schützt den Magen 
  • wird von den Mikroorganismen des Darms gebraucht 
  • liefert lebensnotwendige Nährstoffe 

All das ist für ein Pferd essenziell und wird in besonderem Maße durch Heu (Rau- oder auch Grobfutter) gedeckt. Wir erklären, warum, warum Heu nicht gleich Heu ist, worauf beim Heu geachtet werden muss und warum es nicht so einfach ersetzt werden kann.

Darmverlauf beim Pferd - Dorsalansicht
Der Verlauf des Darms beim Pferd (© Grafik: ATM).

Art der Heugewinnung beeinflusst den Nährstoffgehalt 

Heu ist durch Trocknung haltbar gemachtes Grünfutter. Meist besteht es aus getrockneten Gräsern, aber nicht immer. Im Fall von Luzerneheu besteht es aus Feldfrüchten: Luzerne (Alfalfa) ist eine auf dem Acker angebaute Kleeart.  

Während der Trocknung verliert Heu bis zu 90 Prozent an Feuchtigkeit. Getrocknet wird es entweder durch die Sonne oder durch maschinelle Trocknungsverfahren. Dann wird es gepresst und eingelagert. Lose wird es bei uns kaum noch gelagert. Unterschieden werden Wiesenheu (Gräser), das genannte Luzerneheu (Luzerne/Alfalfa) und Timothee-Heu (Wiesen-Lieschgras/Timothee). Grassamenheu besteht zwar aus Gräsern, ist aber ernährungsphysiologisch kein Heu, sondern in Bezug auf die Fütterung des Pferdes mit Stroh gleichzusetzen.  

Die Art der Heugewinnung beeinflusst den Nährstoffgehalt. Am Boden sonnengetrocknetes Heu ist reicher an Vitamin D, aufgrund der Witterungseinflüsse jedoch nährstoffärmer als maschinell getrocknetes Heu. Letzteres wird meist unterschiedlich stark zerkleinert und dann zu sogenannten Cobs oder Pellets gepresst, lange haltbaren Futterwürfeln oder -zylindern unterschiedlicher Größe. Der Nährstoffverlust gegenüber Weidegras liegt je nach Witterungsbedingungen im Fall von Sonnentrocknung bei 30-55 Prozent, bei der witterungsunabhängigen maschinellen Trocknung lediglich bei bis zu 15 Prozent. Der Nährwert wird außerdem beeinflusst vom Schnittzeitpunkt, den Witterungsbedingen, der Bodenqualität und den enthaltenen Pflanzen. 

Heuballen auf einer Wiese
Wird das Heu so hoch geschnitten, ist die Verunreinigung durch Schmutz gering (Foto: ThorstenF/Pixabay)

Struktur und Faserstoffe: Wichtig für das Pferd 

Der Magen- und Darmtrakt des Pferdes ist angewiesen auf Struktur- und Faserstoffe (Ballaststoffe). Sie sollten bei erwachsenen Pferden mindestens 20 Prozent der Trockensubstanz ausmachen. Eine einfache Faustformel ist: Je weniger Leistung das Pferd bringen muss, desto höher sollte der Anteil an Struktur- und Faserstoffen sein (Bender).  

Heu und auch Stroh sind reich an Rohfaser. Sie sind als Raufutter Strukturgeber. Verantwortlich dafür sind vor allem die Faserstoffe Cellulose und Lignin (Holzstoff). Die Pflanze braucht sie für die eigene Stabilität, Pferde für eine gesunde Verdauung. Da ist es fast schon erstaunlich, dass sie weder für Cellulose noch für Lignin eigene Verdauungsenzyme produzieren, sondern für die Verstoffwechselung auf die Hilfe des Mikrobioms angewiesen sind. Mikrobiom, das ist die Gesamtheit der im Magen- und Darm-Trakt lebenden Mikroorganismen.  

Nice to know: Rohfaser, Trockensubstanz und Frischsubstanz 

Als Rohfaser wird die Gesamtheit des in den verwendeten Pflanzen enthaltenen Zellwandmaterials bezeichnet. Im Wesentlichen sind das Lignin und Cellulose. Sie bleiben übrig, wenn Proteine, Kohlenhydrate und Fette aus dem Pflanzenmaterial in einem standardisierten Verfahren herausgelöst wurden. Der Gehalt an Rohfaser ist ein Kriterium für die vergleichende Analyse von Futtermitteln wie Heu und Stroh und sagt etwas über deren Nährwert aus. Je höher der Anteil an Rohfaser, desto geringer der Nährwert.  

Trockensubstanz (TS; auch Trockenmasse/TM) steht für alle Substanzen im Futter, die sich bei 103°C nicht verflüchtigen. Also das, was bleibt, wenn dem Gras die Masse des enthaltenen Wassers entzogen wird. Die Frischsubstanz (FS) steht für das natürliche Futtermittel. 

Cellulose und Lignin im Heu sind wichtig für die Verdauung 

Im Gegensatz zur Cellulose kann im Heu enthaltenes Lignin (Holzstoff) nicht einmal von den Mikroorganismen im Verdauungstraktverwertet werden. Für das Pferd ist es als Ballaststoff in gewissem Umfang trotzdem wichtig für eine problemlose Verdauung. Zuviel davon beeinträchtigt die Verdauung, die Versorgung mit Nährstoffen und kann zu Koliken führen. 

Je später Heu geerntet wird, desto härter sind die Stängel im Heu, weil zunehmend Lignin eingelagert wird. Sehr spät geerntetes Heu des ersten Schnittes fühlt sich deshalb härter an und ist nährstoffärmer. Für leichtfuttrige Pferde ist es deshalb oft die bessere Wahl, solange der Anteil verholzter Stängel nicht zu hoch ist. 

Heu offen gelagert. heu auf Wiese. Holzzaun
So gelagertes Heu ist unbrauchbar für die Pferdefütterung (Foto: der_niels/Pixabay) 

Cellulose ist im Gegensatz zum Lignin ein Energielieferant. Allerdings erst, nachdem sie von den Mikroorganismen im Darm des Pferdesdurch Vergärung aufgeschlüsselt wurde. Bei diesem Prozess entstehen freie Fettsäuren. Sie werden von der Darmschleimhaut aufgenommen und in der Leber zu Energieträgern verstoffwechselt.   

Pferd und Mikrobiom sind eine win-win-Gemeinschaft, die auf Heu angewiesen ist. Sie funktioniert aber nur dann reibungslos, wenn das Heu nicht zu viel und nicht zu wenig gärfähige Stoffe – und das ist vor allem die Cellulose – enthält. Dafür darf es weder zu blattreich sein,noch zu viel Lignin enthalten. Aus diesem Grund ist Stroh mit seinem hohen Gehalt an Lignin kein Heuersatz. Zwar lässt es sich im Rahmen des Futtermanagements zum Strecken von Heu einsetzen. Dabei sollte es jedoch nie mehr als maximal ein Drittel der gesamten Grobfuttermenge ausmachen. Verdauungsprobleme wären die Folge. 

Wichtig zu wissen: Speichel beim Pferd

Die Speicheldrüsen (hauptsächlich die Ohrspeicheldrüse) von Großpferden bilden beim Kauen pro Minute etwa 40 bis 90 ml Speichel,Kleinpferde etwa 20 bis 60 ml. Der Nahrungsbrei wird beim Kauen damit vermischt, durchfeuchtet und gleitfähig gemacht. Er ist alkalisch(hoher pH-Wert), mit einem pH-Wert von 7,2 bis 8,4. Anders als bei uns enthält Pferdespeichel zwar keine Verdauungsenzyme, aber Mineralstoffe und den Säurepuffer Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3/ Bikarbonat). Dadurch reguliert er den pH-Wert im Eingangsbereich des Magen auf ein fast neutrales, schleimhautschonendes Maß (pH >5).  

Je mehr gekaut werden muss, desto mehr puffernder Speichel gelangt in den Magen. Für ein Kilogramm Raufutter fließen rund 3-5 Liter Speichel, bei einem Kilo Kraftfutter etwa 1 – 1,5 Liter, viel zu wenig, wenn es zugleich an ausreichend Heu oder Heu/Stroh-Gemisch fehlt.
Häufige Folge: Übersäuerung des Magens und Magengeschwüre. Heu fördert also die Magengesundheit.

Kauen – für Pferde ein Bedürfnis, das satt macht 

Die Faserstoffe im Heu regen das Pferd zum Kauen an. Intensiv gekautes Heu wird auf diese Weise vor dem Abschlucken stark eingespeichelt. Umgekehrt bedeutet das: Je kürzer die Kauzeit, desto weniger Speichel. Das bedeutet nicht nur eine geringere Menge an Säurepuffer sondern hat noch weitere Folgen für die Verdauung.  

Der Nahrungsbrei bleibt zu trocken und kann schlechter abgeschluckt werden. Das kann vor allem bei Pferden, die zu Schlundverstopfungen neigen, zu erheblichen Problemen führen. (Von Schlundverstopfung spricht man, wenn die abgeschluckte Nahrung dem Pferd buchstäblich im Hals steckenbleibt). 

Pferd. Koppt. Zaunpfahl
Wird das Kaubedürfnis nicht über das Futter gedeckt, können sich Verhaltensstörungen wie Koppen entwickeln (Foto: Patricia Lösche)

Im Magen kann das ungenügend eingespeichelte Futter schlechter mit der keimtötenden Magensäure durchmischt werden. Keime können so die Magenpassage überleben und in den Darm gelangen. Das kann zu Fehlgärungen führen, zu Darmerkrankungen und Koliken.  

Und noch etwas ist wichtig im Zusammenhang mit dem Kauen bei Pferden. Bei uns und anderen Tieren bestimmt die Magenfüllung den Sättigungsgrad. Bei Pferden hängt die Sättigung nicht von der Magendehnung ab. Auch nicht von der Darmfüllung, wie manchmal zu lesen ist. Pferde brauchen, um satt zu sein, eine bestimmte Zahl von Kauvorgängen (Kauschlägen). Wichtig ist darum nicht nur, was ein Pferd frisst, sondern auch, wie lange es daran zu kauen hat.  

Die Angaben variieren in der Literatur ein wenig, sind aber ein Richtwert: Für ein Kilogramm Heu sind bis zu 5.000 Kauschläge notwendig. Bekommt ein Pferd sechs Kilo Heu täglich, braucht es für dessen Zerkleinerung etwa 30.000 Kauschläge. Nach 35000 Kauschlägen beginnt beim Pferd die Sättigung. Ein Kilo klassisches Kraftfutter wird mit knapp 800 Kauschlägen in rund 15 Minuten verspeist.  

Ausreichend Kauschläge beim Fressen, möglichst kombiniert mit Bewegung, macht zufriedene, ausgeglichene, satte Pferde. Ein Faktor, der bei Pferden mit Diätfütterung oder bei alten Pferden mit Heuersatzfütterung einbezogen werden sollte, so gut es eben geht, damit das Pferd nicht dauerhaft hungrig ist. Hier ist intelligentes Fütterungsmanagement gefragt. Muss kalorienreduziert gefüttert werden, ist es sinnvoll, das Heu zum Beispiel mit kauintensiven Futtermitteln wie Stroh oder Grassamenheu zu strecken. Anteil aber, wie oben erwähnt, nicht größer als ein Drittel der Gesamtraufuttermenge.  

Nice to know: Hungerstress und Pausen 

Pferden sollte täglich etwa sechs Stunden Kauzeit als Minimum geboten werden. Sonst setzt Hungerstress ein. Lange Futterpausen (mehr als vier Stunden) sind zu vermeiden. Während dieser Zeit wird der Mageninhalt in den Darm weitertransportiert. Aber Pferde produzieren permanent Magensäure. Ist der Magen leer, greift sie die Magenschleimhaut an. Leerlauf im Magen ist darum zu vermeiden. 

Wieviel Heu braucht ein Pferd?  

„Pferde brauchen mindestens 1,5 Kilogramm Heu pro 100 Kilogramm Körpermasse. Ausnahme beim Übergewicht. Bei übergewichtigen Pferden kein Kraftfutter und eventuell bis zu einem Drittel Stroh dazumischen“, lautet die Empfehlung von Dr. Ellen Kienzle, Tiermedizinerin und emeritierte Professorin am Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik an der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.  

Stroh, Stoppelfeld, Strohballen
Zufütterung von bis zu 30 Prozent Stroh bietet sich für Diätfütterung und leichtfuttrige Pferde und Ponys an (Foto: bogitw /Pixabay)

Im Positionspapier der Universität Leipzig zur Pferdefütterung in Heu-Notzeiten (PD Dr. med.vet. Ingrid  Vervuert/TA Franziska Bockisch) wird die Fütterungsempfehlung für Pferde und Ponys mit rund 1,5 kg Trockensubstanz (nicht Heu) pro 100 kg Körpermasse etwas höher angegeben, „wobei für Heu 1,7 Kilogramm pro 100 kg Körpermasse und für die feuchteren Heulagen rund 2 kg Heulage pro 100 kg Körpermasse zu veranschlagen sind“, heißt es da.  

Bei übergewichtigen Pferden muss sich die Rationsberechnung selbstverständlich nicht am aktuellen Gewicht, sondern am Normalgewicht orientieren. Das wirft Probleme auf. Sättigung und Wohlgefühl, Verdauungsphysiologie und Gewichtsreduktion oder Vermeidung von Übergewicht müssen gleichermaßen berücksichtigwerden.  

„Eine vollständig befriedigende Lösung ist derzeit nicht in Sicht“, schreiben Pankratz et al. in ihrem Kompendium zur Rationsberechnung für Pferde.  Aber die Wahl und die Menge der Futtermittel sollte nicht nur Ernährungsaspekte berücksichtigen. Das psychische Wohlbefinden ist ebenso wichtig, sonst könnten zusätzliche Probleme (zum Beispiel Verhaltensprobleme oder psychosomatischeErkrankungen) entstehen. 

Heu schützt den Magen 

Milieu im Magen säuert sich zwischen Mageneingang und Magenausgang zunehmend an. Das heißt, der pH-Wert des Magens sinkt zum Magenausgang hin ab, während er im vorderen Teil des Magens eher im neutralen Bereich liegt. Angepasst an diese Verhältnisse ist die Magenschleimhaut nicht im ganzen Magen gleichermaßen säureresistent.  

Wird das Milieu im Bereich des Mageneingangs zu sauer, zum Beispiel weil das Futter nicht genügend gekaut wird (zu viel Kraftfutter bei zu wenig Raufutter) kann die Schleimhaut dort geschädigt werden. Magengeschwüre, ein großes Thema bei Pferden, können durch das Zurückschwappen von saurem Mageninhalt nach vorn entstehen, wodurch die Schleimhaut in diesem Bereich zu viel Säure ausgesetzt ist. „Heu bildet unter anderem ein Netz im Magen, das das Schwappen des sauren Magenbreis verhindert“, erklärt Prof. Ellen Kienzle.   

Praxistipp:  

„Zum Schutz des Magens sollten Pferde – vor allem solche mit Magenproblemen – vor dem Reiten eine kleine Portion Heu – etwa 400 Gramm gefüttert bekommen.“ (Kienzle)  

Pferd auf der Weide. Jundes Pferd
Auf solchen Koppeln muss Heu zugefüttert werden. Sonst besteht die Gefahr einer Sandkolik (Foto: befly/pixabay) 

Nährstoffversorgung 

Wie frisches Gras auch liefert Heu dem Pferd Energie, Nähr- und Ballaststoffe. Nachdem die im Heu enthaltene Cellulose durch mikrobielle Fermentationsprozesse im Blind- und Dickdarm für das Pferd bioverfügbar gemacht wurde, kann es auch die darin enthaltenen Stoffe für den Eigenbedarf umwandeln.  

Das Mikrobiom ist für diese Arbeit angewiesen auf mäßig gärfähiges Material. Davon nicht zu viel, nicht zu wenig. Genau das bietet insbesondere die im Heu enthaltene Cellulose. Enthält das Futter zu wenig davon, kann das Verstopfungskoliken nach sich ziehen. Zuviel davon führt zu übermäßiger Gärung. Das hat Krampfkoliken und Gaskoliken zur Folge. Auch Kotwasser, Durchfall und Koliken können infolge von zuviel oder zu wenig Cellulose auftreten.  

Weide. Gewitter
Heuernte braucht verlässlich gutes Wetter (Foto: dendoktoor-pixabay) 

Neben der Cellulose enthält Heu Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Phosphor, Kalium und Natrium. Außerdem Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe (pflanzlicheWirkstoffe), Spurenelemente, Elektrolyte und ist Energielieferant. Ein gesundes Pferd oder Pony (gleiches gilt für Esel) kann durch qualitativ gutes Heu von nährstoffreichen, gesunden Böden und bei normaler Belastung nicht unterversorgt werden.  

Allerdings unterliegt die Qualität der Böden starken regionalen Schwankungen. Die Böden in Deutschland sind beispielsweise in vielen Regionen selenarm oder enthalten sogar gar kein Selen, in anderen Regionen sind sie dagegen ausreichend selenhaltig. Das gilt dann auch für das dort gewonnene Heu. In vielen Fällen wird daher eine angepasste Ergänzung durch Mineralfutter notwendig sein. Eine Überdosierung kann – wie im Falle von Selen – gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. 

Wieviel wiegt mein Pferd? 

Futterberechnungen erfolgen auf Basis des Körpergewichts. Das genaue Gewicht kann nur durch Wiegen ermittelt werden. Aber es gibt Formeln, mit denen sich das ungefähre Gewicht des Pferdes ermitteln lässt. Nach Bender ist es diese Formel:  

  • (Rippenumfang in Zentimeter)2  
  • multipliziert mit der Körperlänge in Zentimeter und  
  • das Ergebnis geteilt durch die Zahl 11900.  
  • Daraus ergibt sich das Körpergewicht in Kilogramm. 

Für übergewichtige Pferde (Adipositas) ist das aktuelle Gewicht aus naheliegenden Gründen nicht der Maßstab für die Rationsberechnung. Hier sollte eine korrekte Fütterungsberatung erfolgen 

Unterschiedliche Heuqualitäten 

Heu ist nicht gleich Heu. Pferdeheu höchster Qualität riecht aromatisch-würzig, hat eine griffige Struktur aus Blättern und Stängeln, wenig sperrig-verholzte Anteile, ist grün bis blassgrün, sauber, enthält keine Fremdkörper und ist natürlich frei von Giftpflanzen. Ein solches Heu fördert ausreichend Kauschläge und damit Gesundheit und Zufriedenheit beim Pferd. 

Erntezeitpunkt Nährstoffgehalt 
Vor der Blüte Reich an Spurenelementen, weniger Rohfaser, mehr Protein, weniger Spurenelemente  
während der Blüte Wie oben, aber im Heu enthaltene Pollen können zu allergischen Reaktionen führen 
Gras am Verblühen, beginnende Versamung Rohfaser >20 Prozent, Rohprotein abnehmend Calcium:Phosphor-Verhältnis zugunsten Calcium verschoben (günstig für Pferde). Grassamen enthalten viel Omega-3 Fettsäuren 
Nach Versamung(überständiges Heu) Arm an Mikronährstoffen, Gehalt an essenziellen Fettsäuren abgesunken, beginnendes Absterben oberirdischer Pflanzenteile begünstigt Schimmelpilz-Kontamination (Mykotoxine)  

Tabelle nach Dr. Susanne Weyrauch 

Je weniger Zeit das Gras vor der Ernte zum Wachsen hatte, desto mehr Blätter enthält es. Es ist nährstoffreicher und ärmer an Cellulose und vor allem Lignin. Das gilt für einen frühen ersten, aber je nach Wetterlage auch für den zweiten Schnitt, weil dessen Wachstumsperiode witterungsbedingt meist begrenzter ist. Ein früher erster Schnitt eignet sich deshalb für Pferde, die leicht bis mittelschwer gearbeitet werden oder auch Pferde, die aufgefüttert werden müssen oder schwerfuttrig sind. Fohlen führende (laktierende) Stuten und Hochleistungspferde profitieren ebenfalls davon. Dabei muss darauf geachtet werden, dass daneben genügend Strukturfutter für ausreichende Kauschläge angeboten wird.  

Heuernte. Trecker. Wiese. Mähen. Gras
Für die Heugewinnung werden Wiesen meist zweimal im Jahr, seltener dreimal gemäht (Foto: sabinevaner / Pixabay) 

In der Regel mähen die Bauern ihre Wiesen für Pferdeheu zweimal pro Jahr. Das erste Mal beginnt die Heuernte meist kurz vor der Blüte. Stimmen die Erntebedingungen und Lagerung, ist dieses Heu oder Heu, das kurz nach Blühbeginn geerntet wird, sehr gut für (zahn)gesunde, normalgewichtige und normalfuttrige Pferde. Unabhängig vom Erntezeitpunkt wird die tatsächliche Qualität aller Heuprodukte bestimmt von  

  • der Zusammensetzung der Gräser 
  • der Witterung bei Heuwerbung 
  • der Erntehygiene 
  • der Bodenqualität der Nutzungsfläche 
  • der Art der Trocknung  
  • der Lagerung  

Alle Faktoren sind gleichermaßen wichtig. Beste Witterung bei der Heuwerbung nützt wenig, wenn der Schnitt verunreinigt ist durch Fremdkörper, Giftpflanzen oder Schmutz. Und selbst das beste Heu kann durch falsche Lagerung verdorben werden. 

Wird das Heu so hoch geschnitten, ist die Verunreinigung durch Schmutz gering (Foto: ThorstenF/Pixabay) 

Heu mit allen Sinnen checken 

Welche Gräser das Heu enthält können nur Fachleute ermitteln und die Qualität des Bodens kennen nur Landwirt, Landwirtschaftskammern (LUFA) oder prüfende Labore. Eine Sinnesprüfung liefert aber eine Aussage darüber, ob der Zustand des Futtermittels in Ordnung ist.  

Eigenschaft geeignet ungeeignet 
Geruch: Angenehm aromatisch, würzig, unauffällig, leicht fade oder geruchlos Untypisch, brandig, unangenehm, muffig, faulig 
Struktur Stängel und Blätter griffig-fest bis leicht weich, wenig verholzte/ sperrige Stängel aber auch blattarm und stängelig/rau, keine Fremdkörper/Verschmutzungen  Verschmutzung mit Erde/Staub, Fremdkörpern (z.b. Mist/Kot), Schimmel, klamme Anmutung, faulige Anteile, Milben, Giftpflanzen (z.B. JKK/Hahnenfuß), Tierkadaver 
Farbe Grün, blassgrün, beigegrün, ausgeblichen Bräunlich, schwarzbräunlich, grauschimmelig 

Sinnesprüfung von Heu; Tabelle nach Ingolf Bender (2011) 

Fazit 

Nur Pferde, deren Fütterungsbedarf deutlich über dem Erhaltungsbedarf liegt, brauchen mehr als Heu, Wasser, Mineralfutter und Lecksalz für eine artgerechte, leistungsangepasste Fütterung. Gutes Heu hat ein ausgewogenes Verhältnis zwischen etwas härteren (Stängel) und weicheren (Blätter) Bestandteilen. Es wird gut gekaut, schützt dadurch den Magen, sorgt für eine funktionierende Verdauung und macht das Pferd zufrieden und satt. Die Darmflora wird ausreichend mit Cellulose versorgt, ohne dass es zu einer übermäßigen Gärung kommt.  

Weiches, blattreiches Heu ist energiereicher, wird aber weniger gekaut, weniger eingespeichelt, macht deshalb weniger zufrieden, weniger satt. Durch die geringere Speichelproduktion fehlt es im Magen an Säurepuffer, das Magenmilieu wird saurer.  

Zu hartes Heu (hoher Anteil an verholzten Stängeln) wird zwar viel gekaut und eingespeichelt, macht deshalb das Pferd satt und damit zufrieden. Das im Rahmen der Verholzung vermehrt eingelagerte Lignin liefert jedoch keine Energie, weil es von der Darmflora nicht verwertet werden kann. Diese Aspekte müssen so gut es geht und individuell angepasst an die Bedürfnisse des Pferdes gegeneinander abgewogen werden.  

Dann haben wir zwei spannende Angebote für dich. Nutze den Download-Bereich, um eine hilfreiche Checkliste zum Thema Heufütterung zu erhalten. So kannst du dich optimal auf die tägliche Fütterung deines Pferdes vorbereiten. Und wenn du selbst Mensch und Tier bei solchen und anderen Themen unterstützen und begleiten möchtest, dann informiere dich gerne unverbindlich über die Ausbildung zum Tierheilpraktiker.


Download Checkliste Heufütterung

Pferdekopf, Weide
Foto: Pixabay / amar42

Tierheilpraktiker bei der ATM werden

In der hoch qualifizierten Ausbildung zum Tierheilpraktiker lernen Sie, die vielfältigen Krankheitsbilder und gesundheitlichen Störungen bei Tieren rechtzeitig zu erkennen und ganzheitlich zu behandeln. Hierfür lehrt die ATM mit erfahrenen und hoch motivierten Dozenten-Teams.

Zudem bekommen Sie eine Reihe von hilfreichen naturheilkundlichen und therapeutischen Behandlungstechniken an die Hand. Damit kann Ihrer Karriere als kompetenter Tierheilpraktiker nichts mehr im Wege stehen.

ATM Akademie

Die ATM vermittelt ein solides Basiswissen in der klassischen Schulmedizin, eine Voraussetzung für jeden Gesundheitsberuf. Die Referenten sind Hochschuldozenten, Fachtierärzte und Humanmediziner mit erheblicher Praxiserfahrung, Tierpsychologen, Biologen und Apotheker. Erfahrene Heilpraktiker sowie anerkannte Experten aus dem Bereich der Naturheilkunde führen die Praktika im Schulungszentrum Bad Bramstedt durch.


Ingrid Vervuert, PD Dr. med. vet., Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik 
Franziska Bockisch, Tierärztin (Universität Leipzig, Institut für Tierernährung, Ernährungsschäden und Diätetik): Positionspapier zur Raufutterversorgung bei Pferden in Zeiten knapper Heu- bzw. Heulagevorräte  

Prof. Dr. Ellen Kienzle (persönliches Gespräch) 

Ingrid Vervuert: Heulage und Co.: Was kann die Fütterung für die Lunge tun? (Pferdespiegel Pferdespiegel 2018; Ausg. 21: S. 107–114 ) 

Ingrid Vervuert et al.: A high-starch vs. high-fibre diet: effects on the gut environment of the different intestinal compartments of the horse digestive tract (BioMedCentral (BMC) Veterinary Research, 2022)  

Ingolf Bender: Praxishandbuch Pferdefütterung (Kosmos, 4.  Aufl.) 

Julliand S, Buttet M, Hermange T, Hillon P, Julliand V (2023): Effect of diet composition on glandular gastric disease in horses. J Vet Intern Med 2023: 1–9. doi.org//10.1111/jvim.16747 

Vondran S, Venner M, Coenen M, Vervuert I (2017): Effects of alfalfa chaff on the gastric mucosa in adult horses. Pferdeheilkd 33(1/2): 66–71. paywall 

Fowler et al.: Digestibility and glycemic response of timothy-based haylage and timothy grass hay (Journal of Equine Veterinary Science, Vol. 124, May 2023) paywall 

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0737080623001594

Ellen Kienzle, Christina Pankratz, Annette Zeyner: Rationsberechnung für Pferde (Autorengemeinschaft Pferdewissen, 2023) 

Dr. Susanne Weyrauch: Heu- Die Basis guter Pferdefütterung (2021) 

Unabhängige Fütterungsberatung der Universität Leipzig   

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